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Kevin Sands – Der Blackthorne Code

 

Wunderbar zu lesendes Debüt

 

 

Ein Hauch von Harry Potter (auch wenn es um nichts „Magisches“ und keine Zauberei im Buch geht, sondern um das Erstellen von Medizin Mitte des 17. Jahrhunderts. Aber die Tinkturen und Zutaten, das Wissen um „die Dosis“ und die gesamte Atmosphäre des Romans nehmen diese Jugend-Welt und die Beziehungen von „Meister und Lehrling“ hervorragend auf) und ein Teil Dan Brown (was die Verschwörung des „Kultes der Erzengel“ angeht, die scheinbar wahllos einen Apotheker nach dem anderen in London foltert und ermordet), dabei aber in sehr schöner, ausgereifter Sprache, so erzähl Kevin Sands die Geschichte von Christopher, dem Waisenkind und Lehrling in der Apotheke bei Meister Blackthorne, seinem Freund Tom, dem Bäckersohn und von einem grausamen Morden in der Gilde der Apotheker Londons.

 

Dabei greift Sands zu einem ruhigen, aber stetig mit Ereignissen gefüllten und durchaus beständig sich an Spannung steigernder Erzählfluss, der für Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen sehr, sehr angenehm zu lesen ist.

 

Und zudem gelingt es Sands fast spielerisch, die Atmosphäre im London der damaligen Zeit, der Gestank des Unrats, der Themse, der harschen Standesunterschiede, der immer noch misstrauisch betrachteten „Puritaner“ durch den zurückgekehrten König, nachdem Oliver Cromwell gestorben war und des „rechtlosen“ Lebens der einfachen Bevölkerung emotional dicht vor Augen zu führen.

 

Darin ergeht es auch dem aufgeweckten, durchaus nicht „duldsamen“ Lehrling Christopher nicht immer gut. Lehrlinge haben keine Rechte, haben nichts, was sie besitzen dürfen, sind ohne ihren Meister nichts.

 

Kein Wunder, das Christopher sich allein schon aus diesen Gründen her Sorgen um das Wohlergehen seines Meister Blackthorne macht. Zudem er diesen tief verehrt und wie einen Vater liebt. Jener Meister, der eine Freude am Ausprobieren hat, der viel Erfahrung mit Heilmitteln und deren Herstellung mitbringt und mit Codes jeder Art experimentiert.

 

„Der Würfel, das Buch, seine Worte, dieses Rätsel, es war mehr als eine Lektion, es war ein Test…In meinem Geburtstagsgeschenk hatte ein zweites Geschenk gesteckt und dahinter…..“. Das wird Christopher noch herausfinden, denn die Codes seines Meisters richtig zu verstehen, das wird ab einem bestimmen Moment an für Christopher lebenswichtig werden.

 

Mit genau der richtigen Mischung aus Sachkunde (die Rezepte im Buch sollte man tatsächlich auf gar keinen Fall nachmachen, eine Warnung, die Sands klar und deutlich ausspricht. Weil sie original sind und weil damals die wirklichen Wirkungen nicht unbedingt vollends bekannt waren) und Geheimnis, aus differenzierten Charakteren (wobei „Gut und Böse“ Antipoden bilden, eine Reihe von Personen aber zwischen diesen Polen sich bewegen und von Sands mit der richtigen Mischung von Undurchschaubarkeit ausgestattet werden, dass überraschende Erkenntnisse und Wendungen im Verlauf der Geschichte passend greifen).

 

 

Eine anregende, schön zu lesende und dabei realistisch mit Lokalkolorit gewürzte Geschichte, die nicht nur jugendliche Leser rundweg ansprechen dürfte.

 

M.Lehmann-Pape 2016