S.Fischer 2013
S.Fischer 2013

Koethi Zan – Danach

 

Mut zur Konfrontation

 

Volles Verständnis entfaltet der Leser für Sarah Farber, die Hauptperson dieses Debüt Thrillers von Koethi Zan, in deren Wunsch und Willen, möglichst weit weg, sicher und abgeschlossen vor der Außenwelt ihr Leben zu organsieren.

 

Einmal nicht richtig aufgepasst, einmal nicht auf den Fahrer des ansonsten durchaus vertrauten Taxi Services geachtet und auf einmal findet sich Sarah mit ihrer besten Freundin Jennifer in einem Keller wieder. Kaum bekleidet, angekettet, in einer Hütte weitab vom Schuss. Nicht, dass die beiden da alleine wären, zwei „Mitbewohnerinnen“ sind schon länger „Gast“ in diesem Haus, in dem ein zunächst unbekannter Mann seine dominanten Gewaltphantasien an seinen Gefangenen erprobt. Vor allem „die Kiste“ ist es, die allen Gefangenen Panik verursacht. Wer von den Mädchen „in der Kiste landet“, der wird über kurz oder lang seine Stimme, seinen Verstand verlieren.

 

In behutsamen Rückblicken, ohne die Härte abzumildern, führt Zan im Buch den Leser einerseits in die Vergangenheit der Gefangenschaft (Sarah ist entkommen, das ist auf jeden Fall in der Gegenwart des Romans sicher) und andererseits in die Gegenwart neuer Spuren, neuer Indizien, neuer Erkenntnisse. Die allerdings ein persönliches Erscheinen, ein „der Welt gegenüber treten“ Sarahs nötig machen würden, würde sie wollen, dass der Verantwortliche wirklich seiner Strafe entgegensehen wird.

 

Das Ringen Sarahs, die Pein der Gefangenschaft, das „benutzt und gequält werden“, der Fanatismus zur möglichst absoluten Kontrolle, all dies schildert Zan überzeugend und den Leser emotional berührend. Ebenso, wie die langsam heranwachsende Entscheidung, sich der Vergangenheit stellen zu müssen. Denn trotz der Flucht und trotz des konsequenten Eingreifens der Polizei nach der Flucht, eins ist ungeklärt. Jennifer, die beste Freundin, ist nie wieder aufgetaucht, Alpträume ihrer Leiche, ihres Schicksal verfolgen Sarah.

 

Und so führt Zan durchaus psychologisch feinfühlig den Leser mit durch die Achterbahnfahrt der Gefühle Sarahs, ihren wachsenden Mut. Und läst zugleich am Horizont dunkle Wolken neuer Gefahr aufziehen, die den weiteren, logischen, stetigen Verlauf der Geschichte mit Unbehagen beginnen, zu füllen.

 

Bis zu einem sehr überraschenden Finale, in dem Sarah einer Realität ins Auge blicken muss, die sie so nie erwartet hätte.

 

In den Emotionen nachvollziehbar, ohne Scheu auch vor der Darstellung von Gewalt, die Angst der Protagonistin intensiv darstellend, sehr spannend und flüssig liest sich dieses Debüt. Zudem gelingt es Zan, den Leser das ein um das andere Mal mit überraschenden Wendungen zu konfrontieren. So, wie sie die Verbindungen der gefangenen Mädchen untereinander differenziert und nicht stereotyp darstellt, geht sie (nicht bei allen) bei vielen der Figuren durchaus den Weg einer vertiefenden Darstellung, der den Leser auch emotional mit auf die Reise nimmt.

 

Eine durchaus empfehlenswerte Lektüre, wenn auch hier und da ein „noch mehr“ an Spannung in der Schilderung möglich gewesen wäre.

 

M.Lehmann-Pape 2013