Diana Verlag 2018
Diana Verlag 2018

Krysten Ritter – Bonfire

 

Bekanntes Muster unterhaltsam erzählt

 

Lange Jahre nicht in dem Ort gewesen, in dem sie aufgewachsen ist. Ungute Erinnerungen an die Schulzeit und jene Feindschaft zur ehemals besten Freundin der Kindertage, die in einem klassischen Mobbing ausartete, bis eben jene Freundin einfach so verschwand (was für den Streuner-Hund, den Abby zuvor in der Jugend aufgelesen hatte, vielleicht ein wenig zu spät stattfand, jenes Verschwinden).

 

Somit liegen in der Vergangenheit Abbys, die nun als Anwältin für eine Umweltschutzvereinigung in den Ort ihrer Kindheit und Jugend zurückkehrt, schmerzliche, vielleicht sogar gefährliche Erinnerungen. Die dem Leser scheibchenweise im Lauf der Lektüre näher erläutert werden durch die Erinnerungen der Anwältin an jene Jahre.

 

Ein Thriller-Muster, dass beileibe nicht neu ist (vor Kurzem erst von Laura Marshall hervorragend umgesetzt) und daher eine gewisse Abnutzung nicht leugnen kann.

 

Gut, dass Krysten Ritter in ihrem Debüt eine zweite, in der Gegenwart spielende und hochaktuelle Linie in ihrem Thriller ebenso verfolgt. Die Belastung der Umwelt durch die Industrie (hier im Werk ein Plastik-Werk), das über eine geraume Zeit hinweg absolut und perfekt „sauber“ dasteht und dennoch im Ort selbst Anzeichen zu finden sind, dass die Menschen unter etwas leiden, dass mit dem Werk zu tun haben könnte.

 

Die Verflechtung von Wirtschaftskraft und Wert als Arbeitgeber, welche die Bevölkerung fast wie „ein Mann“ hinter dem Werk stehen lässt und kritischen Fragen mit Missmut bis hin zur offenen Abwehr begegnet. Nicht umsonst wird das provisorische Büro Abbys und ihrer Kollegen einen gewissen Unfall erleiden.

 

Erst allmählich und mit viel Geduld wird sich zeigen, dass die Front der Einwohner nicht ganz einheitlich ist und hier und da der eine oder die andere sich durchaus Gedanken um mögliche Schäden durch jene so sauber wirkende Fabrik macht.

 

Diesen Strang in der Gegenwart des Thrillers erzählt Ritter klar, souverän und mit sich stetig steigernder Spannung und trifft auch sprachlich durchweg „den Ton“, der zur Geschichte passt.

 

Auch wenn das alte Schema der „dunklen Vergangenheit“ einfach durch eine gewisse Abnutzung emotional weniger im Leser bewirkt und in gewisser Weise auch vorhersehbar vorliegt.

 

 

Alles in allem eine gelungene, teils spannende und sich aktuellen wichtigen Themen zuwendende Lektüre, in der Ritter den „menschlichen Faktor“ in den Mittelpunkt rückt.

 

M.Lehmann-Pape 2018