Piper 2016
Piper 2016

Lars Kepler – Playground

 

Überleben nach dem Tod

 

Bei manchen weiß man noch nicht. Kommen sie durch oder nicht?

Und was hat es eigentlich auf sich, mit den mannigfaltigen Erlebnissen, die Menschen in einem Zeitraum, in dem sie nach klassischer Lesart in dieser Welt bereits klinisch tot waren, bevor sie „zurückgeholt“ wurden, erlebt zu haben behaupten?

 

Jasmin Pascal-Anderson, Leutnant der schwedischen Armee, wird es herausfinden. Müssen.

 

Im Kampf lebensgefährlich verletzt mit Herzstillstand. Und dann erinnert sie sich, nach der Operation, an diese chinesisch anmutenden Hafenstadt. Voller Menschen. Mit einem Einreiseamt samt Visum.

 

Doch wer sollte so etwas für möglich halten? Klar, dass ein Aufenthalt auf der inneren Psychiatrie erfolgt. Klar, dass das Sorgerecht für ihren Sohn Dante in Gefahr ist. Klar, dass sie an sich selbst zweifelt. Und dann passiert es noch einmal. Und diesmal betrifft es nicht nur sie.

 

Was tun als Mutter, wenn man um die Gefahren weiß, die einem an diesem jenseitigen und doch nicht ganz jenseitigen Ort drohen? Was tun, wenn viele der Menschen dort sich gerne „Visa“ unter den Nagel reißen von solchen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit besitzen, diesen riesigen Warteraum durch jene Tür zu verlassen, die wieder in die Welt der Lebenden führt und nicht ein Schiff besteigen zu müssen, dass seine Fracht hinter den Horizont bringt.

 

Und angesichts dessen, dass bei einer Operation das Herz ihres Kindes für einige Minuten angehalten werden muss.

 

Ist der neue Roman von Lars Kepler bis dahin eine Umsetzung dessen, was an vielen Nahtoderfahrungen bekannt ist, dies aber in ganz eigener Form (es hat schon seinen Grund, warum dieser ferne Ort so „chinesisch“ wirkt und die Erklärung im Buch hat durchaus Tiefe), folgt der zweite Teil nicht unbekannten Thriller-Elementen von Gefahr, Bedrohung, Kampf, vom Zusammenfinden einer sehr ungleichen Gruppe, die sich enorm ihrer Haut wehren werden muss. Auf der hektischen, rasanten Suche nach einem Ausgang, einem Versteck, einem Ausweg.

 

Ereignisse, die Spannung erzeugen, die in hoher Geschwindigkeit dann erzählt werden und ein Hintergrund, der zwar fantastisch ausgeschmückt wirkt, aber durchaus beinhart in der Realität des Romans verankert ist. In sich logisch sind die Vorgänge in diesem „Hafen“ und nur mit „menschlichen Kräften“ ausgestattet gilt es, dort um das Überleben der Person in der Welt der Lebenden zu kämpfen.

 

 

Was sich insgesamt interessant, teilweise sehr spannend und durchweg unterhaltsam liest. Und eine besondere, andere Atmosphäre verströmt, als es „normale“ Thriller in der Regel bieten.

 

M.Lehmann-Pape 2016