Blanvalet 2011
Blanvalet 2011

Lee Child – Outlaw

 

Reacher on the road

 

Einige Grundsätze hat er, Jack Reacher, den Lee Child vor Jahren bereits als klassischen „Lonesome Rider“ konzipiert hat.

 

Einer, über den die Polizistin aus Hope (Hoffnung) sagen kann: „Sie sehen etwas, das Ihnen nicht gefällt und haben sofort das Bedürfnis, es zu zerstören“. Einer, der nur mit sich trägt, was er braucht. Sonst nichts. Der einen Satz Kleidung sein eigen nennt und, ist dieser verschlissen, diesen entsorgt und neue kauft.

Einer, der ausschließlich vorwärts zu gehen gedenkt und äußerst unleidlich wird, wenn er gezwungen wird, Schritte zurück zu gehen. So, wie ihn die Deputys aus Hope´s Nachbarstadt „Despair“ (Verzweiflung) unsanft wieder vor ihre Stadtgrenzen bringen.

Nicht mit Jack Reacher.

 

Und bald schon stellt er Ungereimtheiten fest in dieser Fabrik, die jene entlegene Kleinstadt Despair dominiert. Trifft auf Frauen, deren Männer in Despair bleiben, während sie selbst ebenso wie Reacher hinauskomplimentiert wurden. Erspäht einen Stützpunkt der Militärpolizei, der sicher nicht ohne Grund die Zufahrtstrasse zur Fabrik bewacht.

 

Jede Menge Gründe für den durchtrainierten und harten Jack Reacher, sich das Ganze sehr gründlich aus der Nähe anzusehen. Durchaus mit Folgen für den ein oder anderen, der meint, sich ihm ungestraft in den Weg stellen zu können.

 

Beileibe aber kein dumpfes und eindimensionales „Heldenepos“ des „einsamen Rächers“ ist es, dass Lee Child in seinen Jack Reacher Romanen vorlegt. Durchaus differenziert lässt er um den wortkargen und von einem inneren Gerechtigkeitsgefühl motivierten Reacher eine verlorene, teils drückende, teils mit kleinen Lichtschimmern versehene Atmosphäre entstehen. Diese verhindert zwar nicht, dass die Geschichten um den ehemaligen Militärpolizisten Reacher vorhersehbar sind und doch immer dem gleichen Schema folgen, lässt die Figur Reacher jedoch durchaus nahe kommen. Die ein oder andere überraschende Wendung in der ansonsten gradlinig erzählten Geschichte fügt das ihre hinzu, um der Lektüre an entsprechenden Stellen eine frische Wendung zu geben.

 

Im großen Rahmen der Geschichten über den Kampf zwischen Gut und Böse biete auch dieser Jack Reacher Roman eine spezielle und individuelle Handschrift samt dazu gehörender Atmosphäre. Wie im Rahmen der klassischen Spätwestern bietet Lee Child eine durchaus schattierte Darstellung seiner Hauptfigur im Sinne eines späten Clint Eastwood, mit der Child durchaus seinen ganz eigenen Part in diesen uralten Kampf hineinschreibt. Eine Geschichte und Figur, die in einem Western ebenso gut funktionieren würde, wie in dieser nur dem Anschein nach modernen Zeit am Rande der Zivilisation. Durchaus unterhaltsam und lesenswert.

 

M.Lehmann-Pape 2011