Bloomsbury Berlin 2011
Bloomsbury Berlin 2011

Lee Vance – Die Spur des Verrats

 

Wenn die Energie knapp wird

 

Lee Vance legt mit „Die Spur des Verrats“ einen realitätsnahen, fundiert recherchierten, flüssig geschriebenen und mit lebensechten Figuren versehen intelligenten Thriller vor, der von der ersten bis zur letzten Seite eine kompakte und schlüssige Geschichte bietet.

 

In bester Weise versteht es Vance, interessante und hintergründige Einblicke in die Welt der Finanzen und Spekulanten, der Berater und Analysten, der Frage nach der Zukunft der Energie zu geben, ohne der Gefahr zu erliegen, den Lesefluss durch zu weitschweifige Erklärungen oder das Darstellen allzu feiner Details zu unterbrechen. Anderseits wird er an keiner Stelle oberflächlich, weder in Fragen der Hintergründe seiner Geschichte noch in den sorgsam gestalteten Personen, die bis in die Nebenfiguren hinein jederzeit fassbar und differenziert dargestellt werden.

 

Drei Themen sind es, die im Buch durch die Person der Hauptfigur, Mark Wallace, verbunden und zusammengehalten werden. Mark Wallace, Analyst und Berater von Investoren, Hedgefond-Managern und Finanzfachleuten für den Bereich der Energie, vor allem des Öls und Gases, sieht sich einer sich mehrfach zuspitzenden Situation gegenüber. Ein Anschlag auf eine europäische Pipeline wirft die Frage nach den Hintermännern auf, eine Frage, die durch Informationen, die Mark zugespielt bekommt, für die Welt existentielle Bedeutung erlangen wird. Zugleich gerät er in die Nähe politischer Überlegungen, die klare Pläne für den Fall offen legen, dass Öl knapp werden würde. Und zu guter letzt hat er, immer noch, mit einer persönlichen Tragödie zu kämpfen. 7 Jahre zuvor verschwand sein damals 12jähriger Sohn. Einfach so, früh am Abend. Eine Belastung für ihn, seine Frau Claire und die Tochter Kate, die bis in die Gegenwart nachwirkt und seine Ehe auf brüchiges Eis gestellt hat.

 

All diese so verschieden wirkenden Themen, innerhalb derer Lee Vance dem Leser fundierte und hoch realistisch anmutende Einblicke in die Abläufe des Handels mit Öl und Gas ebenso gewährt, wie in die politischen Überlegungen für den „Fall der Fälle“, beginnen sich im Verlauf des Buches zu verbinden. Und Mark Wallace scheint das verbindende Element zu sein. Warum sonst sieht er sich mehr und mehr einer intensiven Beobachtung von unbekannter Seite her gegenüber? Warum sonst werden Indizien bekannt, die das Verschwinden seines Sohnes mit der Szene der Ölmächtigen in Verbindung bringen könnte?

 

Bis etwa zur Mitte des Buches hin entfaltet Lee Vance ruhig und gründlich seine vorherrschenden Themen und führt seine Figur Mark Wallace immer weiter hinein in dieses, im wahrsten Sinne des Wortes, „dreckige Geschäft“. Ohne spürbare Längen lässt er Seite für Seite mehr spüren, wie bedroht diese Welt ist, wie bedroht im Buch vor allem die an sich schon mitgenommene Welt der Hauptfiguren im Raume steht. Um von da an seinen Wirtschafts- und Politthriller mit hohem Tempo in der Verbindung aller Themen Fahrt aufnehmen zu lassen bis zum ebenso schlüssigem Finale hin.

 

Eine überzeugende Grundidee, logisch schlüssig, realitätsnah und ohne Längen umgesetzt, getragen von lebendig gezeichneten Figuren, so ergibt der Thriller ein empfehlenswertes und ungetrübtes Lesevergnügen, dass den Leser mit dem Eindruck zurücklässt, dass hier tatsächlich Realitäten geschildert werden, die genauso hinter den Kulissen bereits stattfinden könnten. Ganz hervorragend.

 

M.Lehmann-Pape 2011