Droemer 2014
Droemer 2014

Linwood Barclay – Nachts kommt der Tod

 

Hinter den Kulissen der kleinen Stadt

 

Die „große Stadt“ Buffalo, ist nicht weit entfernt von dieser kleinen Stadt Griffon, in der Polizeichef Augustus „Augie“ Perry seine ganz eigene Art hat, die Justiz von zu viel Arbeit und die Stadt von zu viel merkwürdigen „Elementen“ zu befreien.

 

Seine Truppe nimmt sich hier und da auffällige Subjekte und zeigt hinter der ein oder anderen Scheune mittels gebrochener Nasen und anderer Verletzungen, wer in Griffon nicht erwünscht ist. So ist es durchaus üblich, dass einer, der Graffiti sprüht, auch gerne mal den ein oder anderen „Zug auf Lunge“ von der Sprühdose nehmen darf.

 

Eine Haltung, welche die meisten der Einwohner durchaus unterstützen. Mit Entsetzen sieht man auf die Kriminalität in Buffalo und hat wenig Vertrauen darin, dass auf konsequent legalem Wege Griffon davon frei bleiben kann.

 

Wobei Bürgermeister Bert Sander, ein emeritierter Professor, nicht ganz einverstanden scheint.


Kein großes Wunder also, dass die Polizei sich nicht umgehend ein Bein ausreißt, als Sanders Tochter kurzfristig verschwindet.

 

Das ist das Klima, in dem Cal Weaver in den Fall involviert wird. Ein Klima, dass an sich bereits zur Achtsamkeit auffordert, auch ohne als möglicher Verdächtiger in den Blick der Cops zu gelangen.

 

Claire, die am Abend zuvor in den Wagen des Privatdetektivs (und trauernden Vater) Cal Weaver eingestiegen war, die ein kleine Scharade dort aufführte, wohl um einem Pickup mit getönten Scheiben (und damit nicht erkennbaren Fahrer) auszuweichen.

 

Ein Manöver, das ihre beste Freundin teuer zu stehen kommen wird und auch Cal Weaver in den Mittelpunkt des kurz darauf folgenden Ermittlungsprozesses rückt.

 

Weaver muss handeln. Zum einen sucht er den Verantwortlichen für den Tod seines Sohnes, zum anderen muss er sich nun an allen Fronten seiner Haut wehren.

 

Was aber ist geschehen? Wer ist verantwortlich für das Verschwinden eines der Mädchen und den Tod des anderen Mädchens?

 

Haben die Cops zu hart zugegriffen? Verbirgt Sanders dunkle Wege? Schwappt die Gewalt aus Buffalo doch in die kleine Stadt? Hat der Sohn des ortsansässigen Ford-Händlers das Mädchen an jenem Abend verfolgt? Ist hinter der Fassade der Eltern der besten Freundin Clairs noch ganz anderes zu finden, als nur die zerlöcherten Socken zum guten Anzug oder das Chaos im hinteren Garten hinter der herausstechenden Fassade des Hauses (ein schönes Bild übrigens für den Tenor dieses Thrillers, wie sehr in Griffon die „äußere Fassade“ gepflegt wird und wie wenig „Gepflegtes“ dahinter zu finden ist).

 

Gradlinig und flüssig erzählt, in all den Motiven nicht unbedingt neu, aber doch mit spannenden Gefahrenmomenten, bietet der neue Thriller von Barclay durchweg anregende Unterhaltung.

 

Zwar wirkt zu Beginn das Motiv der „Selbstjustiz“ durch die Polizei vor Ort zu richtungsführend, die Dinge „hinter den Kulissen“ scheinen zu klar bereits vorzuliegen, doch Barclay fügt, vor allem zum Ende hin, überraschende Wendungen ein, mit denen andere Aspekte der Geschichte plötzlich zu wichtigen Erzählfäden werden.

 

 

Insgesamt eine solide Thrillerkost, die das Genre nicht unbedingt neu erfindet, aber für durchweg unterhaltsame Lektüre sorgt.

 

M.Lehmann-Pape 2014