Droemer 2011
Droemer 2011

Lotte und Soren Hammer - Schweinehunde

 

Ein Debüt, dass es in sich hat

 

War es der Hausmeister Per Clausen? Zumindest lügt er, vielfach.  Aber auch die Krankenschwester  Helle Schmidt Jorgensen war beteiligt, keine Frage. Nicht zuletzt der ominöse „Kletterer“ hat kühl bis aufs Blut mit der Greueltat zu tun. Oder etwa nicht?

 

Personen und Fragen, die Kriminalhauptkommissar Konrad Simonsen nur langsam überhaupt kennenlernt, geschweige denn, sie in einen Zusammenhang bringt. Und doch wäre es dringend nötig, ein wenig Licht zumindest in das Geschehen in der Turnhalle einer Schule zu bringen.

 

Die Surensicherung ergibt, das ein mathematisch korrekt ausgerichteter Schafott dort errichtet worden war (und später wieder abgebaut), um 5 Männer zu Tode zu bringen. Erhängt an Seilen bis zur Decke der Halle. Ohne Hände, mit zerstörten Gesichtern. Gefunden von einem Kind. Der Grund, aus dem Heraus Simonsen bereits nach wenigen Tagen aus seinem verdienten Urlaub mit seiner Tochter wieder in den Dienst gerufen wird, der Grund, warum sein Zigarettenkonsum steigt und sein Team mehr und mehr die Nerven blank liegen hat.

Hier setzen die Autoren den Leser in den Vorteil vor die ermittelnden Beamten, denn in Einschüben geben sie Einblick in die Gedankenwelt und die Hintergründe, die vielleicht zu den Morden geführt haben mögen.

 

Dass ist die Ausgangsposition dieses dänischen Debütromans des Geschwisterpaares Lotte und Soren Hammer. Ruhig vorgetragen, nüchtern, sachlich fast, wie beiläufig auch die härtesten Szenarien dem Leser vor Augen führend. Dass sich die junge Polizistin Pauline Berg erst einmal übergeben muss ist eher folgerichtig und kein wirkliches Zeichen von Schwäche.

 

Zwar werden die offenkundigen Grausamkeiten im Lauf der Ermittlungen deutlich weniger, dafür tritt mehr und mehr ein inneres Entsetzen in den Raum, wenn das Thema der Pädophilie deutlicher zu Tage treten wird. Sind es sich rächende, ehemals misshandelte und sexuell ausgenutzte Kinder, die sich gerächt haben? Und weiter rächen werden? Denn die fünf Toten in der Turnhalle bleiben nicht die letzten Mordopfer, die im Buch auftauchen werden.

 

Die Medien und die Öffentlichkeit zumindest fällen um die Morde herum schnell eine Entscheidung und diese fällt nicht zugunsten der Polizisten aus, die fieberhaft versuchen, den Tätern auf die Spur zu kommen. Und auch für den Leser wird die Lektüre zu keiner einfachen Angelegenheit, denn je mehr, neben dem eigentlichen Hauptstrang des Buches der Ermittlungen, die Autoren hineinführen in die innere Welt der geschändeten ehemaligen Kinder und nun innerlich taumelnden Erwachsenen, desto mehr verschwimmen auch für den Leser die Grenzen zwischen Gut und Böse im Buch.

 

Ein hochaktuelles Thema in seiner komplexen Vielfältigkeit nehmen die Hammer Geschwister in ihrem buch auf und führen auf verschiedenen Linien die komplexen Zusammenhänge souverän lange Zeit nebeneinander her, bis sich zum Ende des Buches hin die Fäden kreuzen und die Verbindungen fast unentwirrbar ineinander verflechten. So sind es nicht die Opfer, welche die Sympathien des Lesers (und im buch der Öffentlichkeit)= erhalten, zurecht nicht. Aber auch die Täter dienen nicht als reine Sympathieträger. Ein Buch, dass neben der spannenden und hochkomplexen Geschichte auch zu einem ebenso zeitlos wichtigem Thema wie angemessener Strafe und Selbstjustiz das Denken in Gang setzt.

 

M.Lehmann-Pape 2011