Suhrkamp 2016
Suhrkamp 2016

Louis Begley – Ein Leben für ein Leben

 

Rache

 

„Du bist der nächste, Scheisskerl“.

 

Und das, wo sich Jack Dana doch weit, weit vom Ort des letzten, schrecklichen Geschehens abgewendet hat.

 

Er hat Rache genommen für die Ermordung seines Onkels. Er hat den Killer Slobo mit eigener Hand gerichtet. Er hat einen hohen Preis dafür bezahlt, denn die (damalige) Liebe seines Lebens (das konnte er so sagen, auch wenn erst vier Monate gemeinsamen Erlebens im Raum standen) hat ihn deswegen verlassen. Konnte ihn und das Blut an seinen Händen nicht mehr ertragen.

 

So sitzt Dana nun in Europa, in Italien, in Venedig und betätigt sich nicht körperlich, sondern geistig. Zumindest versucht er, Ideen für ein Buch zu sammeln.

 

Da trifft ihn unverhofft die Nachricht vom Tod seiner geliebten Kerry. Die einer Überdosis an Drogen zum Opfer gefallen sein soll. Die anscheinend eine sehr dunkle Seite in sich getragen hatte, die Dana während ihres Zusammenseins nicht wirklich gefühlt, kennengelernt hatte.

 

Wie wenn der Boden unter den Füßen weggezogen wird, taumelt Jack Dana durch Venedig, versucht, sich zu fassen. Und bekommt dann einen solch merkwürdigen Brief zugesteckt.

 

Wer droht ihm? Warum? Und, viel wichtiger, könnte das mit dem Tod Kerrys zusammenhängen? Könnte s gar sein, dass sich Abner Brown, jener Hintermann hinter der Ermordung seines Onkels, rächen will, rächen muss an Jack? Dafür, dass er Abners Pläne durchkreuzt, dass er seinen Handlanger Slobo aus dem Verkehr gezogen hat?

 

Aber wenn das so sein sollte, warum hatte sich der düstere Geschäftsmann so viel Zeit gelassen? Immerhin ist schon ein gutes Jahr vergangen seit den damaligen Ereignissen. Und steckte Aber Brown auch hinter diesen aktuellen Drohbriefen?

 

Eines wird Jack Dana klar. Zum einen war von jetzt an für ihn äußerste Vorsicht geboten und zum anderen würde er keine Ruhe finden und keine Ruhe geben, bis er die Hintergründe um den Tod Kerry´s aufgeklärt hatte und, falls sein Verdacht sich erhärten sollte, Abner Brown dafür zur Rechenschaft zu ziehen.

 

Blutig.

 

Und genau dabei kann der Leser diesem Jack Dana, Kriegsveteran, hartem Kerl und so gut wie unüberwindbarem Hindernis für das Böse nun folgen. Wobei Begley, wie auch im ersten Roman um Jack Dana, zwar mit Tempo erzählt und seine Hauptfigur so trocken-lakonisch anlegt, dass es beim Leser durchaus Freude bereitet, dennoch aber schon nach den ersten Seiten klar wird, dass Begley mit dem Stereotyp des “Superhelden“ a la James Bond doch zu sehr arbeitet, um echte Spannung und Brüche in den Ereignissen und Personen zu erzeugen.

 

Da ist jene Kerry mit ihren dunklen Seiten und ihrer gebrochenen Vergangenheit noch die interessanteste der auftretenden Personen.

 

Hinzu kommt, vom Stil her, dass Begley grundlegend wörtliche Rede, Dialoge nicht kennzeichnet, sondern ohne Anführungszeichen in den Fluss des Textes mit einlaufen lässt. Das erschwert das Lesen gerade im Blick auf die zu Anfang hohe Zahl an Dialogen und Gesprächen und hinterlässt einen ziemlich gleichförmigen Eindruck der Darstellung, die so manches zunächst überlesen lässt, was eigentlich wichtig für die gesamte Geschichte sein wird.

 

 

Dennoch, im Lauf der Zeit stellt sich durchaus Spannung ein, zieht Begley den Leser mit hinein in diesen unverstellten Blick seines Protagonisten auf die Welt derer, die hinter allen Kulissen immer und immer wieder die Fäden ziehen, die vor Brutalität, Mord und Intrigen nie zurückschrecken würden und denen nun ein Mann entgegentritt, der ähnlich skrupellos in der Wahl seiner Mittel das „Gute“, die „Liebe“ gegen das Dunkle mit aller Härte verteidigt.

 

M.Lehmann-Pape 2016