Suhrkamp 2015
Suhrkamp 2015

Louis Begley – Zeig Dich, Mörder

 

In geschliffener Sprache, aber sehr vorhersehbar

 

Sein Onkel Harry ist für Jack Dana vieles. Elternersatz nach dem Tod seiner Eltern, Lebensmentor, Anlaufstation, nachdem Dana im Einsatz verletzt wurde und als Soldat nicht mehr diensttauglich ist.

 

Harry, der Anwalt, Partner einer erfolgreichen Anwaltssozietät, Mann mit Kultur, Junggeselle und einer mit Gewissen. Das ist zwar dehnbar, aber erreicht ab einem bestimmten Punkt durchaus seine Grenzen.

 

Ausführlich stellt Begley zunächst seine beiden Protagonisten vor, beschreibt den „guten Rat“, den Jack von seinem Onkel immer erhalten hat, selbst als Jack als junger Mann beschließt, zum Militär zu gehen (was sein Onkel entgegen aller Familientradition nicht getan hatte).

 

Wobei dennoch durch den eher sachlich-beschreibenden Stil Begleys nur wenig emotionale Nähe beim Leser aufkommt.  

 

Jack hat sich derweil auf das Schreiben verlegt, erster und wichtigster Lektor ist dabei natürlich sein Onkel, bei dem er eine Weile wohnt.

Harry, der ebenfalls seine guten Kontakte spielen lässt und Harry mit wichtigen Personen der Verlagswelt bekannt macht.

 

Das erste Werk wird gleich ein Erfolg, die Filmrechte verkauft, das zweite und dritte Buch folgen wie im Taumel, Geld fließt herein, das Leben könnte schön sein mit den häufigen Besuchen an der Spitze Long Islands im Wochenendhaus seines Onkels.

 

Doch als Jack von einer Reise zurückkehrt, ist alles ganz anderes. Der Onkel erhängt, der geliebte Kater geschändet und mit gebrochenem Genick auf dem Boden liegend. Die Sozietät, die Harry verleugnet und als dement darstellt, der große und wichtige Kunde, einer der konservativsten Männer Amerikas, hatte sich geweigert, mit Harry weiter zu arbeiten.

 

Jack ist wie vor den Kopf geschlagen. Doch umgehend kommen im Zweifel. Eine weitere Tote ist zu beklagen, Unstimmigkeiten türmen sich, das Studio seines Onkels wirkt durchsucht. So recherchiert Jack weiter und kann seinem topfit gehaltenen Körper danken, dass die sich über ihm zusammenbrauende Gefahr ihn nicht umgehend verschlingt.

 

(Zu) Langsam und stetig, so liest sich das Tempo dieses literarischen Kriminalromans, der seine Personen und deren gesellschaftliche Haltungen sehr genau trifft und beschreibt. Eine Stetigkeit, die allerdings von Beginn an nicht unbedingt große Spannung aufkommen lässt,, deren Verlauf und „Auflösung“ doch sehr vorhersehbar sich darstellen.

 

Weniger also einen spannungsgeladenen Kriminalroman mit überraschenden Wendungen legt Begley mit diesem Werk vor, sondern einen sprachlich (oft zu kühlen und distanzierten) eleganten Blick auf einerseits die Entwicklung seiner Hauptperson von einem etwas naiven Mann hin zu einem Rächer und, zum anderen, einen präzisen Blick auf die „innere Verfassung“ der Oberschicht Amerikas, auf die Intrigen und Fäden, die im Hintergrund gezogen werden, um der eigenen Meinung und Haltung breitestmögliche Geltung zu verschaffen. Wobei hier wenig Neues im Raume schwingt und das Thema von „Kaufen und Käuflichkeit“ doch ein wenig altbacken bereits wirkt.

 

Eine ruhige, sprachlich durchaus fesselnde Lektüre, bei der das „sich Zeigen des Mörders“ allerdings kaum für Überraschungen oder starke Spannung sorgt und eine emotionale Nähe zum Buch sich nicht wirklich einstellen will.


M.Lehmann-Pape 2015