Droemer 2012
Droemer 2012

Marc Ritter - Kreuzzug

 

Terror auf der Zugspitze

 

Der Tunnel der Zahnradbahn an neuralgischer Stelle gesprengt, 200 Touristen im Tunnel eingeschlossen mit 11 Terroristen.

Eine Stütze der österreichischen Seilbahn gesprengt, Absturz der Kabine, in etwa 100 Tote.

Ein Hubschrauber auf dem Zugspitzblatt durch eine Bazooka abgeschossen.

 

All dies verbunden mit der unmissverständlichen Mitteilung der Terroristen über eine Internet Seite, dass kein weiterer Versuch mehr zur Rettung der im Tunnel Eingeschlossenen oder der über 5000 Touristen auf dem Berg unternommen werden darf, ohne das dies drastische Folgen haben wird. Absolut perfekt geplant.

 

Der Krisenstab zunächst hilflos, die Eliteeinheit der Gebirgsjäger auf dem Berg zunächst orientierungslos. Nur soviel ist klar, Da ist ein Anschlag von langer Hand vorbereitet worden. Und, wie sich herausstellen wird, nicht von einigen Terroristen alleine. Ein ganz bestimmter Zweck ist mit dem Anschlag auch von hoch „inoffizieller“ Seite verbunden. Eine Seite, die allerdings die Rechnung ohne den individuellen Hintergrund und die eigenen Ziele der Terroristengruppe gemacht hat.

 

Ziele, die Marc Ritter in seinem Thriller ebenso überzeugend benennt (und damit durchaus, wenn auch nicht allzu viele,  Sympathiewerte für die Terroristen schafft). Und ein Szenario, welches Marc Ritter in seiner logischen Struktur und in den handelnden Personen überzeugend auf den gut 500 Seiten seines Buches zielgerichtet beschreibt.

 

In kurzen, knappen Kapiteln aus den verschiedenen Perspektiven der handelnden Personen heraus mitsamt der eingebauten Geschichte aus der Vergangenheit der Terroristen, welche deren Handeln erläutert. In kurzen, knackigen, immer auf den Punkt kommenden Sätzen treibt Ritter seine Geschichte in hohem Tempo, teils bretthart, voran und lässt nicht eine Seite nach. Seine umgreifende Ortkenntnis, die Wahl der Zugspitze als eine der „Hauptpersonen“, sein unnachgiebiger Umgang auch mit Sympathieträgern („Helden“) seiner Geschichte verwehren jedes Wiegen in Sicherheit auf Seiten des Lesers und machen das Buch zu einem Pageturner.

 

Sei es die Sicht der Bundeswehr in Person von Markus Denninger auf dem Gipfel, sei es der Extremtourer Thien Hung Baumgartner, der im Tunnel mit eingeschlossen ist, sei es die Extremsportlerin Sandra, dies ich auch von einem Lawinenabgang nicht bremsen lässt, jeder der Beteiligten schwebt beständig in lauernder Gefahr und handelt durchaus im realistisch anmutenden Rahmen. Handlungen, die technisch einwandfrei von Ritter in ihren Abläufen beschrieben werden (allein schon der Einsatz Denningers gegen den Bazooka Schützen auf dem Gipfel zeugt von der hohen Sachkenntnis des Autors). Ebenso, wie er die Eitelkeiten und auch die daraus resultierende teilweise Inkompetenz des politischen „Krisenstabes“ ernüchternd zu schildern versteht. Das Ritter hier und da brachiale Gewalt „im Vorbeigehen“ fallen lässt ist dabei ebenso spannungsfördernd, wie die Darstellung verschiedenen, einander gegenüber zunächst geheimen, Interessensgruppen um das Terror-Ereignis herum.

 

Ein überzeugender, spannender, temporeich geschriebener Thriller, der beste Unterhaltung bietet und in all seinen Teilen von gründlicher Kenntnis der Materie ebenso spricht wie von der sorgfältigen Ausarbeitung der Figuren und des Plots.

 

M.Lehmann-Pape 2012