Droemer 2012
Droemer 2012

Markus Stromiedel – Die Kuppel

 

Realistische Fiktion

 

Es ist schon eine erschreckende, aber bei weitem nicht undenkbare Welt, in der Markus Stromiedel seinen Thriller ansiedelt. Europa von Umweltkatastrophen und Klimawandel stark gebeutelt und verändert. Eine Ölkatastrophe hat die Küsten Deutschlands und mit Ihnen das ehemals blühende industrielle Leben zerstört. Öl ist äußerst knapp und teuer, der Individualverkehr, wie eigentlich der ganze Verkehr drastisch reduziert, Flughäfen stillgelegt, Straßen werden aus Finanzmangel kaum mehr instand gehalten. Europa hat sich zudem vereinigt, wie andere Länder auch enge Allianzen gebildet haben, Regierungssitz ist Brüssel.

 

Die Technik hat noch einmal einen intensiven Schritt nach vorne gemacht in der Vernetzungsmöglichkeit des Menschen, vor allem aber der demographische Faktor schlägt nun erbarmungslos zu. Wohin mit all den Alten und, vor allem als drängende Frage im Raum, wie ist das zu finanzieren, all die Pflege, all dieses Alter?

Fragen, die im Verlauf des Thrillers immer drängender in den Vordergrund schieben.

 

Zunächst aber wird ein junger Militärpolizist, der eigentlich als Lebensziel nur hat, irgendwo eine ruhige Kugel zu schieben, zur Untersuchung eines mysteriösen Todesfalles an einer militärischen Anlage in der Nähe der deutschen Ostsee von Brüssel aus in sein altes Heimatland geschickt.

 

Kaum vor Ort angelangt findet Vincent Höfler fast umgehend eine Reihe von Indizien, die ihn zu einer genaueren Untersuchung bewegen. Mit der attraktiven Ärztin Anna geht er den Spuren nach, wird aber umgehend wieder vom Fall abberufen. Auch die Kooperation mit dem Militär vor Ort und manch andere Zeichen deuten darauf hin, dass genauere Ermittlungen nicht gewünscht. Störfeuer, die immer gefährlicher werden, denn Vincent lässt nicht locker, vor allem dann nicht, als sich herausstellt, dass der tote alte Mann ein ehemals enger Freund seines Vaters war. Störfeuer, deren Quellen bis ganz nach oben in den neuen Regierungsapparat zu reichen scheinen. Und die einiges zu tun haben könnten mit der Entstehung neuer „Seniorenresidenzen“, riesigen Kuppeln mit eigener und künstlicher Atmosphäre, die einen wunderbaren Ruhestand für die Bewohner versprechen.

 

Doch einiges stimmt nicht. Mit dem Todesfall, mit diesen Kuppeln. Das ganze Ausmaß aber des ungeheuren Plans, der hinter all diesem steckt und was es wirklich mit den Kuppeln auf sich hat, das hat nun weder Vincent Höfler erwartet, noch der Leser. Und doch wirkt das alles zu guter Letzt erschreckend im Bereich der Möglichkeiten, was da in einer atmosphärisch dichten Mischung aus „Vaterland“ und „Matrix“ in den Raum treten wird. Und was vor allem an Kosten-Nutzen Rechungen eiskalt dahinter steht. Andererseits aber haben auch die Befürworter dieser neuen „Kuppelwelt“ durchaus massive Argumente auf ihrer Seite.

Vincent wird sich entscheiden müssen, so er all den Anschlägen und all den Gefahren überhaupt entgehen wird.

 

Temporeich, rasant, durchaus spannend, atmosphärisch überzeugend dargestellt, vor allem aber mit einem ernüchterndem Plot ausgestattet, führt Markus Stromiedel durch seinen neuen Thriller in eine ganz andere und doch durchaus nicht unwahrscheinlich wirkende Welt in der nahen Zukunft. Mit einem überraschenden Ende und einem durchaus düsteren Ausblick. Lesenswert.

 

M.Lehmann-Pape 2012