Droemer 2015
Droemer 2015

Markus Stromiedel – Zone 5

 

Überzeugendes Setting mit spannender Story

 

Was wäre, wenn die bisherige „Aufteilung der Welt) in 1., 2., 3. Und 4. Welt (die ja bereits in den letzten Monaten grenzüberschreitend als „gegebene Größe“ erodiert) sich nicht über den ganzen Erdball verteilt und damit Landes- und Kontingentgrenzen „getrennt halten“, sondern wenn dies viel näher zusammenrücken würde?

 

Und was wäre, wenn „Notstandsgesetze“  ihre durchschlagende Wirkung nicht nur in der Vergangenheit in Deutschland entfaltet hätten (und seitdem immer mal wieder hier und da in besonderen Situationen in einzelnen anderen Ländern), sondern „europäisch“ mit einem „starken Mann“ an der Spitze installiert würden?

 

Notstandgesetzte, die, wie aktuell in Frankreich und Belgien zu sehen, tiefe Einschnitte in das private und öffentliche Leben ermöglichen. (In dieser Beziehung ist Stromiedel zu Zeiten der Erstellung seines Buches fast der Zeit voraus gewesen).

 

Und was, wenn die digitale Erfassung umfassend geworden wäre und zudem die „eigentliche Macht“ der Welt sich im Rahmen einiger Megakonzerne nicht nur öffentlich zeigt, sondern auch ganz öffentlich und klar ausgesprochen „das Sagen“ übernommen hat, im Buch am Beispiel Köln. Und zudem, fast nebenbei, die klimatischen Bedingungen sich auf der Welt massiv verändert haben, mit Folgen für das Strömen von Menschen in die Megacities der Welt, egal zu welchen Lebensbedingungen?

 

All das fasst Stromiedel flüssig und in der zudem noch unterhaltsamen Form eines „Katz-und Maus“ Thrillers (ein Paar gegen die Obrigkeit) zu einer atmosphärisch anregenden Geschichte zusammen, die nicht nur dem Bewohner Kölns vielfachen Wiedererkennungswert vor die Augen führt (obwohl Stromiedel das „Besondere“ an Köln immer wieder architektonisch und atmosphärisch treffend einfängt).

 

Köln lebt in „vier Zonen“. Die Reichen und Mächtigen, die gehobene Mittelschicht, die 3. Zone der Dienstleistungen und die vierte Zone eben für den Spuckrest, die billigen Arbeitskräfte, die Ghettos. Die nicht irgendwo anfangen, sondern „hinter dem Ring“.

 

Eingemauert, scharf bewacht, die rechte Rheinseite dominiert vom Medizinkonzern, Übergang zwischen den Zonen für Nicht-Berechtigte bei Todesstrafe verboten. 3 Millionen Menschen drängen sich um die einst lebensfreudige Stadt am Rhein, die in den ersten beiden Zonen sogar den Karneval „digitalisiert“ hat und teils virtuell durchführt. Alles unter dem „Schwarzen Dom“, Touristenmagnet ohne spirituelle Bedeutung.

 

Und das unter der straffen Hand des europäischen Präsidenten, der nun versucht, in die Weltgemeinschaft der demokratischen Staaten wieder aufgenommen zu werden (ohne an seiner Diktatur wirklich etwas ändern zu wollen).

 

Alles geregelt, soweit. Wenn da nicht einerseits die junge Alex aus Zone 4 wäre, deren Schwester an Krebs erkrankt ist (was  man gut therapieren könnte in Zone 1 und 2, während für Bewohner der Tone vier nur das Notwendigste an Medikamenten zur Erhaltung der Arbeitskraft abgestellt werden würde) und wenn es zum anderen nicht Zone 5 gäbe. Leicht legendenumwoben, aber ein möglicher Zufluchtsort für Forscher mit Gewissen.

 

In einer fast vollständigen digitalen Überwachung über implantierte Chips versucht Alex, ein Medikament aus Zone 1 zu entwenden und nimmt jede Gefahr auf sich, versucht der junge Nachwuchsanwalt David sein altes Idol wieder ins Leben zurück zu holen und die Gerechtigkeit nicht aus den Augen zu verlieren , spielt der kühle Ferris als persönlicher Assistent des Leiters des Megakonzerns ein ganz eigenes Spiel und wird zu guter Letzt ein „Aufrumer“, ein Killer eingeflogen, um all diese Unruhen und Unwägbarkeiten diskret zu lösen.

 

Bis der Präsident Europas, was Köln angeht, eine weitreichende und nicht sonderlich kluge Entscheidung trifft.

 

Flüssig, mit Tempo, gut zu lesen, mit ebenso viel Lokalkolorit versehen,  wie in den Aufarbeitungen der vielfachen Probleme der Gegenwart in die nahe Zukunft, in der der Roman spielt, durchaus stabil recherchiert, bietet sich ein interessanter und zudem noch lehrreicher Thriller dar.


M.Lehmann-Pape 2015