Heyne 2014
Heyne 2014

Mary Higgins Clark - In der Stunde Deines Todes

 

Solide und routiniert

 

Laurie hat da den Finger auf einen alten Fall gelegt, der es in sich haben wird. Anders, als die zuvor dachte.

 

Vor Jahren wurde die Frau eines "Mannes der Gesellschaft" ermordet aufgefunden. Ein Verbrechen, das geschehen ist, als Claire, Regina, Nina und Alison im Haus feucht fröhlich ihren College Abschluss feierten.

 

Laurie, die für ihre Fernsehshow alte ungelöste Fälle aufarbeitet und daraus unterhaltende Dokumentationen kreiert merkt bald, dass im Hause Powell, zumindest damals, nicht alles zum Besten stand und Robert Powell, der Mann von Welt und Geld (der seine Frau aus ärmlichen Verhältnissen heraus geheiratet hatte) einiges an dunklen Seiten in sich trägt.

 

Jede der vier Absolventinnen, so wird sich herausstellen, hatte ihre Gründe, der ermordeten Frau den Tod zu wünschen.

 

Gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Alex recherchiert Laurie immer tiefer und stößt im Lauf der Dreharbeiten auf Geheimnisse, die bald auch die Polizei interessieren werden.

 

Dabei hat Laurie im Stillen seit Jahren noch ganz andere Sorgen.

 

Fünf Jahre ist es her, dass ihr Mann auf offener Straße vor den Augen ihres damals kleinen Sohnes brutal erschossen wurde.

 

"Greg Moran.....renommierter Arzt, geliebter Ehemann und Vater........ Er hatte keine Chance. Der Schuss traf ihn mit tödlicher Präzision mitten in die Stirn".

 

Doch damit nicht genug:

 

"Timmy, sag Deiner Mutter, dass sie die Nächste ist. Und dann bist du an der Reihe".

 

Spurlos war der Mörder damals verschwunden, der misstrauischen Blick über die Schulter ist zu Lauries zweiter Natur geworden, auch wenn sie hofft, langsam aufatmen zu können.

 

Doch der Mann, der ihr den Mann genommen hat, ist neuerdings nicht weit von ihr. Er hat sie im Blick. Er wartet.

 

So sind es zwei Fälle, die Higgins Clark miteinander verwebt und, wie sich herausstellen wird, steht in beiden Fällen ein dunkles Geheimnis der Vergangenheit im Hintergrund der Ereignisse.

 

Was allerdings, zumindest was den Mord an ihrem Mann und die Bedrohung für sich und ihren Sohn angeht die Auflösung am Ende einfach genauso lapidar und aus dutzenden anderen Werken bekannt erschient, wie das Finale selbst ebenso kurz und nichtssagend gestaltet wird.

 

Die knisternde Spannung in bedrohlichen und actionreichen Situationen ist Higgins Clark Sache nicht, in wenigen Sätzen handelt sie das Verbrechen vom Beginn des Buches am Ende ab, wie auch die ständig schwelende Bedrohung durch den unerkannt anwesenden Mörder kaum wirklich für Spannung sorgt.

 

Der "Fernsehfall" ist demgegenüber um einiges komplexer angelegt und führt zu einer überraschenden Überführung des Täters und der Ereignisse der Mordnacht in der Villa der Powells, auch wenn intensive und emotional mitreißende Gefahrenmomente ebenfalls nicht dicht genug gestaltet sind.

 

 

Alles in allem ein routinierter, flüssig (aber einfach) verfasster Thriller, in dem viele der Motive und Hintergründe im Voraus zu ahnen sind und am Ende nicht wirklich überraschen.

 

M.Lehmann-Pape 2014