Heyne 2013
Heyne 2013

Mary Higgins Clark – Spürst Du den Todeshauch

 

Solide Unterhaltung mit logischem Aufbau

 

Die Firma für „Stilmöbel“ von Doug Conelly hat auch schon einmal bessere Zeiten gesehen. Eigentlich wartet der Besitzer nur auf einen günstigen Moment und auf ein weiteres Ansteigen der Grundstückspreise, um das Ganze gewinnbringend zu veräußern.

 

Jener Doug Conelly, der vor einigen Jahren einziger Überlebender eines Bootsunglückes war, bei dem auch seine Frau starb und der seitdem mit vielfach wechselnden Frauenbekanntschaften und seinem geliebten Whiskey durch die Tage gleitet, nicht gerade zur Freude seiner beiden Töchter, der wirtschaftlich geschulten Kate und der künstlerischen Hannah.

 

Plötzlich explodiert die Fabrik. Kate und der ehemalige Vorarbeiter Gus waren vor Ort. Gus ist tot, Kate im Koma, was passiert ist, lässt sich nicht wirklich sagen, zunächst. Aber schnell wird klar, dass Brandstiftung vorliegt. Umgehend treten verschiedene Interessen im Rau, denen Higgins Clark durchaus geschickt in der ein oder anderen Form auch noch ganz andere, dunkle Beweggründe mit auf den Weg durch die Geschichte gibt.

 

Douglas scheint in Sorge, dass die Versicherung nicht bezahlt, wenn seine Tochter den Laden angezündet haben sollte. Aber was weiß der engste Mitarbeiter? Was verbindet Doug mit diesem in der Vergangenheit? Derweil macht sich Hannah auf, zur Ehrenrettung ihrer Schwester Licht in das Dunkle zu bringen. Nicht nur sie wird im Lauf der Zeit darauf stoßen, dass Gus Tochter Gretchen ein imposantes Anwesen bewohnt, vom Vater geschenkt, dass sich mit dem Gehalt eines Vorarbeiters kaum vereinbaren lässt.

 

Der Obdachlose Clyde hatte längere Zeit in einem ausrangierten Möbelwagen auf dem Gelände gehaust. Was hat er gesehen? Er, der sich aus dem Staub gemacht hat. Vor allem aber, warum findet sich in seine zurückgelassenen Besitztümern das Bild eines jungen Mädchens aus gutem Haus, dass vor einigen Jahren gefesselt und ermordet aus dem Fluss gezogen wurde?

 

Viele Fragen mit zunächst losen Verbindungen, Erzählfäden, die Higgins Clark, wie gewohnt, im Lauf der Zeit durchaus miteinander verbinden wird.

 

Hintergründige Psychogramme oder knackige kriminalistische Rätsel, die dem Leer bis zum Schluss kaum eine Ahnung lassen, worum es den gehen könnte, sind allerdings seit jeher nicht die Sache von Higgins Clark. In einfacher Sprache und durchaus gradlinig (auch da, wo sie in zunächst Nebenschauplätze abschweift) kennzeichnen auch diesen Thriller. Das bietet einerseits ebenso klare und stringente Unterhaltung, wie es auf der anderen Seite für den Leser doch hier und da ein wenig zu leichtgewichtig daherkommt.

 

Ein Eindruck, der sich auch in der Darstellung der Personen niederschlägt. Einfache Stereotype nutzt Higgins Clark nun nicht unbedingt, aber eher plakativ und wenig die Dinge „mitschwingen“ lassen entfaltet die Autorin ihr „Personal“ vor den Augen des Lesers.

 

Alles in allem reicht dieser Thriller nicht an die Spitze des Genres heran, bietet aber trotz der eher einfachen Sprache und der plakativen Personen eine überzeugende Story mit genügend Überraschungsmomenten und Spannung, um in guter Weise zu unterhalten.

 

M.Lehmann-Pape 2013