List 2013
List 2013

Matthew Reilly – Arctic Fire

 

Ego-Shooter in Buch Form

 

Allein schon die Zeichnungen vor jedem Kapitel im Buch erinnern stark an „Level“ in klassischen Ego-Shooter Spielen. Und wie in solchen Spielen üblich folgt auch dieses neue Buch von Matthew Reilly dem System der „Level-Eroberung“ mit zugleich immer stärker werdenden „Endgegnern“.

 

Das dabei, trotz aller technischen Erläuterungen von Waffen, Fahrzeugen, „Welt-Zerstörungs-Waffen“, Geheimarmeen, Robotern und geheimen Hauptquartieren, der eigentliche Realitätsgrad deutlich auf der Strecke bleibt und die Personen auch in ihren Fähigkeiten eher an märchenhafte James-Bond Filme erinnern (bei den „Guten“ und den „Bösen“) ist fast ein Markenzeichen der Action-Thriller von Reilly.

 

Und Action ist es, die im Mittelpunkt (im ziemlich alleinigen Mittelpunkt) der Geschichte steht. Wer also ein Faible für „Search and Destroy“ Themen hat, wen Texte wie „ratatatataa“ (also Maschinengewehrgeräusche) richtig in spannungsvolle Stimmung bringen, der ist mit diesem Buch von Reilly wieder einmal bestens bedient.

 

Am Polarkreis eine geheime Forschungsstation, besetzt von gut zweihundert hartgesottenen Soldaten und Ex-Häftlingen, eine Waffe, welche die Welt vernichte kann.

Und weit und breit nur Shane Schofield, genannt „Scarcrow“ mit seinem weiblichen Gunnery-Seargent „Mother“ und einigen Zivilisten auf Forschungsprojekt.

 

Wobei, ganz so alleine wird die kleine Gruppe nicht bleiben, just zum richtigen Zeitpunkt (als „nur“ vier Kampfhelikopter das Häuflein vergeblich ins Visier nehmen) taucht ein französisches U-Boot noch auf. Was natürlich alleine wegen Scarcrow durch das Polarmeer navigiert, um an ihm für einen zurückliegendem Einsatz Rache zu nehmen.

 

So entkommen Scarcrow und die Seinen (unter hier und da Verlusten, natürlich) immer wieder massivsten Angriffen, erledigen hoch aggressive Eisbären im vorbeigehen, schwingen durch technische Einrichtungen, rutschen vorwärts an Pfeilern hinunter (wobei dann ganze Gruppen von Feinden niedergemacht werden) und kämpfen sich (natürlich unter hohem Zeitdruck) in das innere Level (pardon, das Zentrum des feindlichen Hautquartiers) vor.

 

Wobei nach einigen Seiten zu Beginn, in denen kurz die Story vorbereitet wird, grundlegend und Seite für Seite die Kugeln, Granaten, Messer und allerlei anderes Gerät nur so um die Ohren fliegen.

 

In dieser Konzentration auf beinharte Action und einigen trockenen Sprüchen a la „Expendables“ folgt Reilly konsequent seiner bisherigen Linie und bietet durchaus dem, der das mag, Unterhaltung im Hochtempobereich. Allerdings sollte man dann eben auch am Realitätsgrad und dem Anspruch an ein differenziertes „Personal“ (Reilly „besetzt“ auch dieses Buch konsequent stereotyp vom schwächlichen, aber klugen Wissenschaftler bis hin zur muskelbepackten „Kampfmaschine“) erkennbar Abstriche hinnehmen können.

 

M.Lehmann-Pape 2013