Page & Turner 2012
Page & Turner 2012

Max Bentow – Die Puppenmacherin

 

„Ausschäumen“

 

Eine durchaus ungewöhnliche Methode des Mordens legt Max Bentow seinem neuen Thriller um den Berliner Kommissar Nils Trojan zu Grunde. „Ausgeschäumt“ wird eine Frau in einem Keller gefunden. Mit Bauschaum bewegungsunfähig gemacht, mit eben demselben Schaum in Mund und Nase erstickt.

 

Eine Art des Tötens, die durchaus einen klaren und benennbaren Hintergrund im Leben des Täters hat. Was sich allerdings erst viel später und durchaus ein wenig überraschend herausstellen wird. Zunächst ist nur klar, dass diese Art zu Töten schon einmal versucht worden ist.

 

Josephin Maurer hieß damals das Opfer, dass nur durch Zufall und mit knapper Not dem Tod entkam, den Täter bis heute allerdings nicht wirklich beschreiben konnte. Nur aufgrund von Indizien scheint es erwiesen zu sein, dass der, bei einem Verkehrsunfall getötet, Karl Junker damals die „Dose Schaum schüttelte“.

 

Josephin, immer noch stark traumatisiert, lebt zurückgezogen in ihrer Wohnung, hat sich dem Amigurumi, dem Stricken kleiner Puppen nach japanischer Tradition verschrieben und eigentlich genug damit zu tun, ihre Beziehung zu ihrem Freund Milan einigermaßen erträglich zu gestalten, zu ihm und ihrem alten Leben zurückzufinden.

 

Doch nun erhält sie unversehens einen anonymen Anruf, der sie in Todesangst versetzt.

„Komm zu Karli. Komm zu Karli“, sagt die Stimme. Und das sind genau jene Worte, mit denen der Täter damals sie langsam, bei den Füßsen beginnend, mit Bauschaum begann, einzusprühen.

 

Als weitere Tote auftauchen, wird Nils Trojan klar, dass hier ein perfides Spiel in Gange ist, dass seine Wurzeln im damaligen Geschehen haben muss. Jener Nils Trojan, der selber noch an den Folgen seines letzten Falles leidet, der bei Jana Michels einerseits in psychologischer Behandlung sich befindet, den andererseits eine viel tiefere Beziehung mit der Psychologin ebenfalls aus seinem letzten Fall heraus verbindet.

 

Alles in allem eine Gemengelage, die Mentow durchaus glaubwürdig aus der inneren Zerrissenheit und Verwundung seiner Protagonisten heraus zu schildern vermag. In diesen „Psychogrammen“ und in den direkten und klaren Schilderungen des brutalen Sterbens durch Ersticken und der weiteren Umstände der Morde sind auch die Stärken dieses Thrillers zu finden. Stärken, hinter denen die Ermittlungsarbeit und auch die zu lange und zu erläuternde Schilderung der eigentlichen Motive des Täters ein stückweit abfallen.

 

Manche Fortschritte und klärenden Wendungen des Falles wirken doch künstlich konstruiert (oder „vom Glück verfolgt“), auch das eigentliche Motiv hinter den Morden scheint doch ein wenig dick aufgetragen zu sein. Das Finale allerdings bietet solide Action und eine bildkräftige Schilderung des gefährlichen Einsatzes von Trojan fast in Bond Manier.

 

Insgesamt biete Max Bentow einen soliden und in den Protagonisten und deren inneren Entwicklungen und Bedrängungen überzeugenden  Thriller, der eine andere, neue perfide Art des Tötens bildkräftig in den Raum zu setzen vermag. In der Spannungskurve und den Fortschreitenden Ermittlungen fällt der Thriller allerdings hier und da ein wenig ab.

 

M.Lehmann-Pape 2013