Kiepenheuer und Witsch 2014
Kiepenheuer und Witsch 2014

Maxim Leo – Waidmannstot

 

Mord mit Hintergrund

 

Wie ein Stück Rotwild ist der Tote zurecht gemacht und wird quasi „präsentiert“ im Jagdrevier.

 

Ein erster Fall für den „Rückkehrer“ in den Ort in Brandenburg, Kommissar Voss.

Und gleich ein verzwickter.

Denn dass dies kein Jagdunfall war, sieht ja ein Blinder.

Absicht, Präsentation, wie ein Ritual geschah dieser Mord.

 

Natürlich finden sich zu Anfang eine Reihe von Verdächtigen, der Tote war ja kein Unbekannter, seine Pläne, auf seinem Grund inmitten der Landschaft Windkrafträder bauen zu lassen, hatte viele Feinde.

 

Aber ob einer von diesen zu einem solchen Mord fähig gewesen wäre? Oder hat gar das gesamte Dorf sich verschworen gegen den Mann, zumindest jene, die von der Idee der großen Windräder ganz und gar nicht angetan waren?

 

Doch dieser Tote wird nicht er einzige Tote bleiben. Ein weiterer Mann wird auf ähnliche Weise „hergerichtet“ gefunden.

 

Langsam schwant Vos, dass noch ganz andere Motive für diese Morde in Betracht gezogen werden müssen.

 

Sehr detailliert und, wie von Leo gewohnt, mit klarer, bildkräftiger Sprache, führt der Autor den Leser intensiv ein in die Welt der Jagdrituale, des „Aufbrechens“, der inneren Haltung hinter all dem und weitet zugleich den Blick für dieses „Stück Deutschland“ in Brandenburg.

 

Die Atmosphäre, die Mentalität, die Landschaft mitsamt ihrer wechselvollen Geschichte führen in nicht zu weit ausgebreitetem Bogen zum „Spagat der Gegenwart“ zwischen Natur und Walt, Windkraftnutzung und der Entwicklung der Technik neuer Energieressourcen, die an Landschaft und Mensch nicht spurlos vorbeigehen.

 

Hier zeigt Leo mit Feingefühl die inneren Widersprüche, die Zweifel, die konkreten Probleme der Personen im Buch auf und vermittelt auf diese Weise prägnant den gegenwärtigen Stand der Diskussion (nicht nur in Brandenburg).

 

All dies bindet Leo mit sich erhöhender Spannung in einen differenzierten und vielschichtigen Kriminalfall ein, ohne dabei Brutalität, Grausamkeit und blutrünstiges Handeln in den Vordergrund zu stellen.

Auf intelligente Art bietet der Roman gute Unterhaltung und eine lange Zeit der Unklarheit über die wahren Hintergründe der Tat (und natürlich den Täter).

 

 

Eine empfehlenswerte Lektüre, die den Leser nicht in Albträume versetzt und dennoch sowohl Hintergrundwissen als auch Spannung zu setzen versteht.

 

M.Lehmann-Pape 2014