Heyne 2012
Heyne 2012

Meg Gardiner - Todesmut

 

Solide Action, aber weniger Thrill

 

Ein Reality-Game soll es sein. Zur Volljährigkeit von Autumm Reininger. Diese kennt solche urbanen Spiele sehr gut, denn ihr Vater, ein erfolgreicher Investment Manager, nutzt diese Art der „Freizeitgestaltung“ recht häufig für Teambuilding-Maßnahmen seiner Mitarbeiter.

 

Mit einigen ihrer Freunde freut sich Autumm sehr auf ihre Rolle als „Verbrecherkönigin“. Nicht ahnend, dass ihr Vater eine ganz spezielle Person noch mit in das Spiel eingebaut hat, um eine von Autumms Kindheits-Phobien „zu überwinden“.

Autumms Vater, der nicht ahnt, dass noch ganz andere Kräfte sich des Spiels bemächtigen werden, um Rache an ihm persönlich zu nehmen.

 

Jo Becket, forensische Psychologin, gerät mit ihrem Freund Gabe eher zufällig in all diese Verwirrungen und Gefahren in und um das Spiel. Sie ist auf der Spur eines ungeklärten Todesfalles inmitten der Wildnis unterwegs. Und findet schnell konkrete Anhaltspunkte, dass der Tod des Mannes, den sie untersucht, kein Unfall gewesen sein kann. Bevor sie aber ihre Ergebnisse mit en Ermittlungsbehörden teilen kann, geraten sie und Gabe mitten hinein in das aus dem Ruder laufende „Spiel“.

 

Eine Hetzjagd auf Leben und Tod entbrennt, abgeschieden von der Zivilisation, bei der nur mühsam per Handy Nachrichten ausgetauscht werden können. Denn auf der anderen Seite arbeiten Jos Freundinnen Evan und Tang hektisch daran, eine Rettung einzuleiten und den Fall insgesamt aufzuklären, währenddessen die Ereignisse um Autumm, ihre Gruppe und Jo und Gabe herum eskalieren. Zunehmend auch undurchschaubarer werden, denn auch die Gruppe derer, die „das Spiel“ zu nutzen gedachte, splittert sich untereinander auf.

 

Was den Thrilleranteil des Buches angeht sind die Ereignisse doch durchaus in weiten Teilen vorhersehbar. Gardiner legt im Vorfeld ihrer jeweiligen „Enthüllungen“ im Verlauf der Geschichte genügend Hinweise und Spuren, um als Leser dann von manchen Identitäten und manchen Wendungen der Ereignisse nicht sonderlich überrascht zu sein.

 

Zudem sind einige der Figuren doch recht stereotyp gezeichnet (natürlich ist Jos Freund Rettungsspringer, Army Mitglied, durchtrainiert und ein As im Überleben in der Wildnis, natürlich sind einige der „düsteren“ Gestalten schon physisch als „Schurken“ erkennbar, natürlich sind einige der jungen Leute, die mit Autumm in der Wildnis landen, nur verzweifelt). Ihre Hauptfigur aber, Jo Beckett, den eigentlichen Gegenspieler und die ein oder andere Nebenfigur füllt Mag Gardiner durchaus differenziert mit Leben und Schattierungen.

 

Mit reichlich Action kommt die Geschichte zudem daher. Gefahrvolle und durchaus atmosphärisch dicht geschilderte Momente und Verfolgungsjagden (Die Szene der Flucht auf dem Pferd ist sehr ausführlich und mitreißend geschildert und steht durchaus exemplarisch für den Stil des gesamten Buches) erzeugen Spannung, das früh angesetzte und lang dauernde „Finale“ führt den Leser durch eine Vielzahl von Wendungen und neuen Gefahrenmomenten.

 

Alles in allem bietet Meg Gardiner eine in sich schlüssige Geschichte, die sie mit sehr viel Action umsetzt und in eher einfacher, aber breiter Bildsprache erzählt. Unterschwellige Spannung und ein längeres Rätselraten um die Hintergründe einzelner Personen und derer Motive finden sich allerdings kaum im  Buch.

 

M.Lehmann-Pape 2012