Goldmann 2012
Goldmann 2012

Michael Robotham – Der Insider

 

Kriegsgewinnler

 

Luca Terracini ist Kriegsberichterstatter, Pulitzerpreisträger, Sohn einer irakischen Tochter und privat leidgeprüft im Leben. Einer, der sein journalistisches Handwerk.

 

Vor Ort im Irak stößt er auf eine Reihe von Banküberfällen, bei denen immer wieder und regelmäßig größere Summen Geldes erbeutet werden. Geld, das für den Wiederaufbau des Irak gedacht ist. Durch die Bekanntschaft mit einer Finanzanalysten erfährt er allmählich, dass nicht nur Banküberfälle im Raume stehen, sondern Summen systematisch „versickern“.

 

Eine Recherche, die dem Reporter alles abverlangen wird und die sich zu einer großen Gefahr für Leib und Leben entwickeln wird.

 

Vincent Ruiz ist pensionierter Kriminalpolizist in London, Das zur Zeitwichtigste Ereignis, dem er entgegensieht, ist die Hochzeit seiner Tochter. Seine verstorbene Frau Laura hat für diese Hochzeit einiges noch an Wichtigkeiten ihm mit auf den Weg gegeben. Briefe wollen ebenso übergeben werden wie ein Teil des ererbten Schmuckes seiner verstorbenen Frau.

 

Eher aus Zufall, wie es scheint, greift Ruiz in den Streit eines jungen Paares ein und nimmt die junge, nach dem Streit scheinbar am Boden zerstörte Frau, mit zu sich nach Hause. Doch die Szene des Paares war geplant, Ruiz betäubt und ausgeraubt. Wenn es nicht um die paar wertvollen Stücke für seine Tochter gehen würde, würde der eher phlegmatische Ex-Polizist wohl Ruhe geben, so aber macht er sich auf die Suche nach dem Schmuck. Und trifft in der Wohnung des Paares auf eine verstörte, junge Frau und einen toten, gefolterten, jungen Mann.

 

Dieser, wie sich herausstellen wird, war ein ehemaliger Elite Soldat im Irak. Auch Ruiz kann nun keine Ruhe mehr geben und beginnt von seiner Seite der Geschichte her die Hintergründe zu recherchieren. Nicht wissend, dass da noch ein „Kurier“, eine Auftragskiller, in London ist, der etwas Bestimmtes sucht und nun die junge Frau Holly im Visier hat. Mitsamt Ruiz.

 

Der Hinweis auf die Vergangenheit des jungen, toten Mannes, ist für lange Zeit das einzige, mögliche Verbindungsstück zwischen den beiden parallel ablaufenden und parallel erzählten Recherchegeschichten in London und in Bagdad. Ganz hervorragend versteht es Robotham so wieder einmal, den Leser mitten hinein in eine Geschichte zu ziehen, die sich zunächst als Gleichung voller Unbekannter darstellt. In seiner ihm eigenen Sprache, in der fließend gerade soviel je preisgibt, wie es gerade braucht, um die Geschichte den nächsten Schritt voranzubringen, baut er durchaus zunächst eine gewisse Breite der Ereignisse auf, die sich im Lauf der Zeit dann verdichtet und vertieft.

So, wie er ebenso die Kunst versteht, seine Personen, die Orte und Dinge genau ausreichend zu beschreiben, dass der Leser auf der einen Seite ein „inneres Bild“ all dessen erhält, auf der anderen Seite aber nicht mit so vielen Details versehen wird, dass die eigene Fantasie gar nicht erst angeworfen werden bräuchte.

 

Wieder einmal gelingt es Michael Robotham eine glaubwürdige, realitätsnahe Grundidee in einer spannenden Geschichte zu entfalten, die mit der ein oder anderen überraschenden Wendung, einer allmählich zunehmenden Gefahr für die Protagonisten und vielfachen Vernetzungen erst zum Ende hin in ganzer Klarheit vorliegt. Ein intelligenter und bestens erzählter Thriller.

 

M.Lehmann-Pape 2012