Goldmann 2013
Goldmann 2013

Michael Robotham – Sag, es tut mir leid

 

Glänzend

 

Sein bewährtes Ermittlerteam Joe O´Loughlin, Professor der Psychologie (getrennt lebend, mental von der Arbeit für die Polizei, durch die Veränderungen seines privaten Lebens  und seine Parkinson Krankheit deutlich mitgenommen) und Victor Ruiz (hart, knochentrocken, Desillusioniert, was Menschen angeht und privat ebenfalls nicht allzu sehr vom Glück geküsst) wird im Verlauf dieses Falles wieder zueinander finden. Auch wenn Joe noch so sehr Abstand halten will von der Polizeiarbeit, seit er durch die Entführung seiner Tochter vor einiger Zeit aus dem inneren (und äußeren) Gleichgewicht geraten ist.

 

„Ich hieße Piper Hadley und werde seit dem letzen Samstag der Sommerferien vor drei Jahren vermisst“.

 

So beginnt dieser psychologisch intensive und temporeiche Thriller.

Und nicht alleine wird Piper vermisst. Ihre beste Freundin Natasha war bis vor einigen Stunden ihre Leidengenossin in diesem fauligen Kellerloch. Bis dieser die Flucht gelang. Und nun wartet Piper drängend darauf, dass Natasha mit Hilfe zurückkehrt. Doch die Zeit zieht sich und währenddessen ist sie es, die von „George“ (dem Entführer) aus dem Keller regelmäßig nach oben geholt wird.

 

Eine Leidenszeit, während derer in der Außenwelt eine erfrorene, weibliche Leiche zusammen mit dem erfrorenen Kadaver eines Hundes aus einem See gezogen wird.

Und ein altes Bauernhaus in Flammen aufgeht, in dem die Bewohner, ein Ehepaar, beide gewaltsam getötet wurden.

 

Kann es sein, dass der leicht zurückgebliebene Augie gemordet hat? Aus Ärger? Oder war da ein unbekannter beteiligt?

 

Eine Frage, für die O´Loughlin als beratender Gutachter mit hinzugezogen wird. Und schnell feststellen wird, dass das alles so einfach, wie die Polizei es gerne hätte, nicht sein wird. Denn an der erfrorenen Leiche werden grausame Verstümmelungen festgestellt.

So beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, eine Überzeugungsarbeit gegenüber den ermittelnden Polizisten und die Ahnung, dass der Mord an dem Ehepaar, die Entführung der beiden Mädchen und dieser Tod durch Erfrieren eng zusammengehören.

 

Wie nun Robotham seinen Professor der Psychologie mehr und mehr eintauchen lässt in die Psyche der Beteiligten, vor allem der des Entführers, wie Ruiz hart und unterkühlt die Ermittlungen mit vorantreibt und wie, vor allem, in „Zwischenberichten“ die nackte Angst Pipers greifbar in den Raum tritt, dass ist spannend, drängend und flüssig in klarer Sprache erzählt.

Zudem ist es eine Kunst Robothams, ständig falsche Fährten zu legen, Indizien auf mögliche Täter oder Zusammenhänge zu geben, die sich in ganz anderer Richtung entwickeln werden und damit bis zum Schluss die Spannung hoch zu halten.

 

Eine Spannung, die im Übrigen selbst nach Erkennen des wahren Täters in einem Herzschlagfinale noch einmal kulminiert.

 

Ein hervorragender, teils harter, immer aber spannender und durchdachter  Thriller.

 

M.Lehmann-Pape 2013