Goldmann 2014
Goldmann 2014

Mo Hayder – Die Puppe

 

Unterhaltsam, aber vorhersehbar

 

Flea ist Polizistin, ist seit langem erschüttert von einem familiären Drama und hat sich strafbar gemacht. Massiv strafbar.

 

Jack Caffery geht es innerlich nicht anders, was ein familiäres Drama betrifft und er schützt Flea. Ohne, dass diese es zunächst weiß und aus einem durchaus wichtigen, inneren Antrieb heraus in all seiner Schlaflosigkeit, der Mattheit des Lebens. Was Caffery im Übrigen nicht hindert, wie immer, sich intelligent in Ermittlungen zu vertiefen, wo sie anstehen.

 

Dies ist allerdings zunächst nur der Nebenschauplatz dieses neuen Thrillers von Mo Hayder, in dem sie vor allem mit AJ, dem Krankenpfleger in einer psychiatrischen Anstalt, eine tragfähige und dem Leser emotional sehr naherückende Figur in den Mittelpunkt der eigentlichen Geschichte, des „Falles“ rückt.

 

Eine Anstalt, in der Menschen zu Tode kommen. Durch einen  Geist etwa?

Eine Zwergin, „Maude“, soll dort spuken, sich nachts auf den Brustkorb mancher Insassen setzen und für den Verlust eines Auges, die „Beschriftung manch eigenen Körpers“ und eben für den Tod hier und da verantwortlich sein.

 

Das behält man aber lieber für sich unter den Angestellten der Klinik. Persönliche Alpträume, ja, die gibt es auch bei AJ, aber zunächst hält er, auch aus eigenem Interesse heraus, seiner Chefin Melanie die Stange. Er ist einfach verliebt. Was manches entschuldigt.

 

Zudem glaubt AJ nicht an Gespenster. Denn da gäbe es ja noch Isaac, der als Jugendlicher auf grausamste Weise seine Eltern ermordet hat, der furchtbare Puppen bastelt wie ein Vodoo-Priester und jenen der Puppen die Augen zunäht, deren ehemals lebendiges Pendant gestorben ist. Und der „Insasse“ der Klinik bis vor kurzem war.

 

Und nun ist Isaac „auskuriert“ und auf freiem Fuß. Und nun taucht in Melanies Garten manchmal ein Schemen auf. Und AJ´s geliebter Hund Stewart benimmt sich außerordentlich merkwürdig. AJ wittert Zusammenhänge.

 

Verschiedene Erzählfäden lässt Mo Hayder so zunächst nebeneinander sich entfalten. Es dauert eine ganze Weile, bis dem Leser deutlich werden wird, welche der Fäden an sich bereits durch eine gemeinsame Vergangenheit zueinander gehörten. Ebenso, wie es dauert, bis noch unverbundene Fäden zueinander finden werden, sprich, Caffery mit AJ und den Puppen in Kontakt geraten wird. Wobei, im Übrigen, es eine ganze Reihe von Puppen sind und nicht „die Eine“, wie es der Titel des Thrillers impliziert.

 

Gefahr, Bedrohungen, verdeckte Vergangenheiten, teils sehr spannende Gefahrenmoment, in einfacher Sprache und durchaus treffenden, ebenso einfachen Bildern, bringt Hayder ihre Geschichte stetig voran.

 

Allerdings für den erfahrenen Thriller-Leser bietet die „überraschende“ Auflösung am Ende eben keine sonderliche Überraschung mehr. Schon zur Mitte des Buches hin entsteht eine deutliche Ahnung, wer hinter allem stecken könnte.

Eine Auflösung, die zudem mit sattsam bekannten Stereotypen aus der prägenden Kinder- und Jugendzeit der Protagonisten heraus arbeitet und daher nicht sonderlich mitreißt.

 

 

So verbleibt eine interessante Grundidee, die stringent, routiniert, durchaus unterhaltsam und mit einem sehr nahe kommenden „AJ“ von Mo Hayder entfaltet wird, ohne allzu überraschende Wendungen und bis auf einige wenige Ausnahmen (die eines Stephen Kind da allerdings durchaus würdig wären („Das Auge“)) auch nicht sonderlich nervenbelastend ausgeführt.

 

M.Lehmann-Pape 2014