Goldmann 2015
Goldmann 2015

Mo Hayder – Wolf

 

Abwechslungsreich, spannend und intelligent

 

Fast, aber auch nur für einen Augenblick, scheint es, als würde Mo Hayder in ihrem bis dahin spannenden und atmosphärisch dichten Thriller kurz nach der Mitte ein wenig die Luft ausgehen.

 

Plötzlich gibt es augenscheinlich Tipps für den Leser, Klärungen, Blicke hinter die Kulissen zumindest der beiden harten Männer, welche diese kleine Familie in der Hand haben und hinter ihre wirklichen Motive.

 

Das aber, wie erwähnt, nur fast, denn auch wenn dieser Teil des Erzählfadens plötzlich klarer wird, schwenkt Hayder im Buch auf einen anderen Pfad ein, bietet danach faustdicke Überraschungen in den Variationen ihrer Protagonisten und in den Blicken auf den alten Doppelmord, der ständig im Hintergrund der Ereignisse mitschwingt.

 

Und auch Jack Caffery ist, wieder einmal, als intuitiver Ermittler unterwegs, der weiterhin seine eigene Vergangenheit und den Tod seines Bruders vor langer Zeit fest im Blick hat. Da halten ihn weder Vorschriften noch Kollegen, weder die vergangene Zeit noch die vielen Unklarheiten im Blick auf diesen Tod auf. Alles in ihm drängt nach Klarheit.

 

Und eher gezwungen, eher nebenbei, eher als „Geschäft“ gegen handfeste Informationen über sein Familiendrama nimmt er die Fährte dieses verlassenen kleinen Hundes mit der merkwürdigen Botschaft am Halsband auf.

 

Wenn aber Caffery eine Fährte aufgenommen hat, dann hält ihn auch nicht mehr ab, diese hartnäckig und gegen alle Widerstände und Wahrscheinlichkeiten zu verfolgen.

Auch wenn die einzige Spur ein alter Ehering ist, der nur vage Hinweise als Nadel in mehr als einem Heuhaufen geben könnte, wem der Hund gehört und was geschehen sein mag.

 

Harr geht es zu Sache in Teilen dieses Thrillers, auch das ist wahr. Blut wird fließen, Tote am Wegesrand verbleiben, Gefahren und Täuschungen ein um das andere Mal auch Caffery selbst zu intensiver Konzentration anhalten.

 

So trifft der Titel „Wolf“ auf nicht nur ein Ereignis im Roman zu. Caffery selbst ist eine „einsamer Wolf“, keine Frage. Das Verbrechen damals, als zwei Teenager wie von einem Raubtier „gerissen“ aufgefunden werden wird seine Spuren in die Gegenwart ziehen und auch der „Wolf im Schafspelz“ wird eine tragende Rolle im Buch einnehmen.

 

Alles in allem ein hervorragender, spannungsgeladener Thriller, die einiges an überraschenden Wendungen und Härte aufzuweisen hat und eine sehr empfehlenswerte Lektüre darstellt.


M.Lehmann-Pape 2015