Hoffmann und Campe 2014
Hoffmann und Campe 2014

Ned Beaumann – Glow

 

Überzeugend

 

Sehr flüssig und griffig in der Sprache präsentiert Ned Beaumann seine Mischung aus Rave-Lebensgefühl, alternativem Großstadtleben und Thriller.

 

Raf hat so seine Probleme, grundlegender und konkreter Natur. Wobei die konkreten, zum Teil zumindest, aus den grundlegenden Problemen entstanden sind (und stetig weiter entstehen werden).

Warum auch immer (und so ganz geklärt werden konnte das medizinisch nicht), Raf gehört zu jenen Menschen, deren innere Uhr nicht synchron mit der äußeren Uhr verläuft.

 

Sein biologischer Tag hat 25 und nicht 24 Stunden, was in seit Jugend an in ständige Reibung mit der Außenwelt bringt. Ein normaler Job? Auf Dauer undenkbar. Ein „normales“ Beziehungsleben? Ebenso schwierig, wenn seine Lebensrhythmen mit denen eines „normalen“ Partners nur selten ganz synchron gehen.

 

Seine letzte Liebe, eine DJane, gut, das ging ob der Neigung in der Szene, die Nacht zum Tag und umgekehrt zu machen. Dennoch war diese von heute auf morgen weg. Nach Berlin.

 

Die gute Nachricht für Raf ist, dass jene attraktive, exotische Frau, die er auf einem Rave in einem Waschsalon kennenlernt, dafür sorgen wird, dass er nach „sieben Wochen ohne“ doch wieder einer Frau körperlich nahe kommen wird. Die schlechte Nachricht ist, dass die Frau am nächsten Morgen verschwunden ist. Was Raf nicht mitbekommen hat, da seine Schlafmethoden, gelinde gesagt, eine außergewöhnliche Abschottung erfordern.

 

Doch waren da nicht bereits im Vorfeld diese weißen Lieferwagen, flüsterleise mit Elektro-Motor, in die plötzlich Leute gezerrt wurden? Und verschwinden nicht auffällig viele Burmesen momentan im Viertel? Und ist nicht sogar Theo, legendärer Betreiber eines Piratensenders und Rafs aktueller Arbeitgeber (als Betreuer des Wachhundes des Senders) ebenfalls in einem solchen weißen Lieferwagen verschwunden?

 

Es geht was vor in der Stadt, und das ist nicht nur die zunehmende Anzahl von Füchsen an bisher nicht für möglich gehaltenen Orten (wie im Doppeldecker-Bus)

 

Hätte Raf wenigstens „Glow“, die neue Droge, von der alle reden, mal probieren können. Aber selbst das ist nicht gelungen. Was er da geschluckt hatte, kann gar kein „Glow“ gewesen sein, bei der miserablen Wirkung.

 

Wie nun ein Todesfall aufgrund eines Email-Versehens, leise weiße Lieferwagen, zupackende düstere Männer in diesen Wagen, Theos Verschwinden und jene große Bergbaufirma, für die ein Mann arbeitet, der sich nur bei Macdonalds mit Raf treffen will, zusammenhängen, das wird Raf herausfinden wollen.

Denn diese Frau lässt er nicht so einfach verschwinden und Theo schon gar nicht.

 

Doch bald stellt sich heraus, dass sich Raf einer weit verzweigten, kriminellen Vereinigung gegenüber sieht, die ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen zu gehen bereit ist.  

 

 

Atmosphärisch gelungen, den „Rave“ immer wieder mitschwingen lassend und in flottem Tempo bietet Beaumann kreative und spannende Unterhaltung, die bis zum Ende den Leser neugierig auf die Lösung so mancher Rätsel im Buch verharren lässt.

 

M.Lehmann-Pape 2014