Ullstein 2016
Ullstein 2016

Nele Neuhaus – Im Wald

 

Sehr flüssig verfasst, aber nicht ohne Längen

 

Schon der Umfang des Buches macht deutlich, dass Nele Neuhaus bei ihrem neuen (und vielleicht für Kommissar von Bodenberg fast letzten) Fall weit ausholt.

 

Und so ergibt sich auch während der Lektüre eine Erzählung aus verschiedenen Perspektiven heraus, die von Bodenberg und seine Assistentin Pia nicht nur tief in den Wald des Taunus führen werden, sondern auch ebenso tief in die Vergangenheit Oliver von Bodensteins.

 

Denn um diesen verbrannten Wohnwagen auf dem einsam gelegenen und um diese Jahreszeit nicht bewohnten Campingplatz im Wald im Taunus und der in diesem Wohnwagen gefundenen „Brandleiche“ tauchen mehr und mehr Personen, Verdächtige, Zeugen, Menschen auf, die von Bodenbergs Jugend mitgeprägt haben.

 

Sei es der alte „Bandenführer“ aus der Grundschule, sei es der unwirsche Schlosser im Dorf, der ebenfalls „Schulfreund“ von Bodenbergs ist.

 

Das in den Verhältnissen der Kindheits- Jugendbekanntschaften in vielerlei Hinsicht nicht alles zum Besten gestellt ist, das wird bald klar und genau für diese Verhältnisse, für die Beziehungen untereinander, für von Bodenbergs innere Entwicklung und für Pias ebenso intensive innere Befürchtungen, dass aus dem „Sabbatical“ ihres Vorgesetzten und Partners ein Abschied auf immer werden könnte, dreht sich so ziemlich genauso viel in diesem neuen Kriminalroman der Autorin, wie um den Fall selbst. Wobei ein guter Teil all dieser hintergründigen Abläufe zwischen und in den Personen durchaus mit dem Fall zu tun haben wird.

 

Das zudem ein ausgeprägtes Lokalkolorit in bester Weise die Atmosphäre des Romans mitbestimmt, das ist bei Nele Neuhaus nichts Neues und sorgt, wie immer, für eine authentische und stimmige Rahmung der Handlung.

 

Und das alles in Ruppertshain, was ansonsten ein eher verschlafener kleiner Ort im Taunus ist.

 

Es wird daher dauern, bis aus der Vielzahl der Informationen und alter und neuer Geheimnisse sich so etwas wie ein roter Faden der Ermittlungen ergeben wird. Was die ein oder andere Länge in den Ablauf setzt, die trotz der sehr flüssigen und erzählfreudigen Sprache der Autorin dem Leser die ein oder andere Geduldsprobe nicht erspart.

 

Mit überraschenden Wendungen und einer sich langsam aufbauend Bedrohung und Gefahr zum Finale hin, findet Neuhaus ab diesem Zeitpunkt mit deutlich erhöhtem Tempo dann aber selbstverständlich das richtige Maß für knisternde Unterhaltung, in der die vielen losen Fäden der Ermittlungen zuvor sich langsam zu einem Gesamtbild verdichten.

 

Gut im Übrigen, dass Neuhaus an den Anfang des Romans ein ausführliches Personenregister setzt, denn bei der Vielzahl der Namen und Verbindungen zwischen den Personen blättert man schon das ein oder andere Mal zu diesem zurück, um den Überblick zu behalten.

 

Alles in allem sprachlich flüssig zu lesen, die Personen gründlich erkundend und einen doch auch besonderen Mordfall in den Mittelpunkt stellend.

 

 

Eine empfehlenswerte Lektüre

 

M.Lehmann-Pape 2016