Hoffmann und Campe 2011
Hoffmann und Campe 2011

Nelson De Mille – Der Löwe

 

Rache

 

Lässig, sarkastisch, trocken und an den entscheidenden Stellen durchaus knüppelhart legt Nelson De Mille seinen neuen Thriller vor. Kreisend um den toughen Agenten der Anti-Terror Task-Force und ehemaligen New Yorker Polizisten John Corey spinnt De Mille in epischer Breite auf 550 Seiten die Geschichte zwischen John Corey und Asad Khalil weiter, die im „Spiel des Löwen“ ihren Anfang nahm.

 

„Wir üben keine Rache, wir üben Gerechtigkeit aus“, teilt der Vorgesetzte John Corey mit und Corey bejaht eifrig, sieht aber im Inneren keinen großen Unterschied zwischen beiden Haltungen. Vor allem nicht, weil Asad Khalil auf Rache aus ist und gerade eben sich in exponierter Lage Kate, Johns Frau, genähert hat. Mit Folgen.

 

Allein schon diese Szene des ersten, neuen Zusammentreffens zwischen John, Kate und Asad zwischen Himmel und Erde mitsamt der kaum zu kontrollierenden Umstände für John Corey, der mit ansehen muss, wie sich Asad an Kate vergreift und nicht eingreifen kann, zeigen Kreativität (da muss man erstmal drauf kommen am Fallschirm), Tempo und Spannung. Elemente, die sich im Buch durchgängig wiederfinden und die Lektüre leicht von der Hand gehen lassen.

De Mille bleibt allerdings beileibe nicht nur bei der Schilderung des privaten Rachefeldzuges eines überaus intelligenten und erfahrenen Terroristen samt des Gegenhaltens eines bis in die Knochen coolen Agenten stehen. Ebenso wendet er sich den menschlichen Hintergründen ausführlich zu, erläutert die Geschichte hinter der Verbitterung Asads, ebenso die Ereignisse in Amerika, die zu John Coreys harter Haltung geführt haben.

Eine harte Haltung übrigens, die durchaus ihre weichen Seiten auch kennt. Was seine engsten Freunde und, vor allem, seine frisch angetraute Ehefrau angehen.

 

Dass die Schilderung der Hintergründe und die Darstellung innere Vorgänge der Protagonisten in Form von Dialogen das ein oder andere Mal zu ausschweifend geraten ist, soll allerdings nicht verschwiegen werden. Längen bleiben auf den 550 Seiten nicht aus, nicht immer hält De Mille das Tempo gleich hoch. Im Gesamten aber stört dies nicht sonderlich, da immer wieder der rote Faden der Hatz in der Gegenwart aufgenommen wird und an einigen Stellen De Mille auch kein Problem damit hat, einzelne Elemente des Vorgehens Asads und einzelne Momente seiner Rache knüppelhart und drastisch zu schildern. Die Schilderung eines Köpfens im Buch ist sicher nicht einfach für schwache Nerven mit großer Fantasie.

 

„Ich werde sie und diese Hure, mit der sie zusammen sind, töten, und wenn ich mein ganzes Leben lang dazu brauche“. Klar ist, dass es keinen anderen Weg für Coray und Khalil geben wird, als dass nur einer der beiden mit dem Leben davon kommen wird. Dabei macht sich Corey keine Illusionen über die Schwere der Aufgabe. „Wir haben es mit einem bestens ausgebildeten Profikiller zu tun, der nicht die üblichen Fehler macht“.

 

Leger und flüssig geschrieben, mit weitgehend hohem Tempo und ausführlichen Erläuterungen der historischen und persönlichen Hintergründe versehen, hier und da ein wenig langatmig, legt Nelson de Mille im Gesamten einen hochwertigen Thriller vor, der für ein langes und anregendes Lesevergnügen zu sorgen versteht.

 

M.Lehmann-Pape 2011