Suhrkamp 2016
Suhrkamp 2016

Nicholas Petrie – Drifter

 

Spannend und auf den Punkt erzählt

 

Männer, die „Krieger“ waren und es im Inneren immer bleiben werden. Soldaten, die den Kampf erlebt haben und zu Hause mit ein wenig Pension dann sich selbst überlassen bleiben. Ex-Soldaten, die an der Seele verwundet durch die Weiten des Landes irren.

 

Der Umgang Amerikas mit seinen „Kriegern“ nach dem Einsatz (eben eher ein Nicht-Umgang) ist das zugrundeliegende Thema dieses ansprechenden und packenden Thrillers von Nicholas Petrie. Menschen, die in der ein oder anderen Form je „Weg-Driften“.

 

Ex-Leutnant Peter Ash, Marine, ehemaliger Kommandant einer Kampftruppe, hat eine Rechnung zu begleichen. Zumindest, was seine innere Verpflichtung angeht. Einer seiner Untergebenen hat sich getötet. Heißt es. Doch kann das sein? Denn eine solche Handlung entspricht in keiner Weise dem Bild, dass Ash von seinem Sergeanten hatte.

 

Ash, der selber an einer posttraumatischen Störung leidet (seinem „weißen Rauschen“, sobald er geschlossene Räume betritt), geht der Sache nach. Erfindet einen „Auftrag“ und repariert die Veranda am Haus des toten Mannes. Trifft auf dessen Freu, dessen beiden Kinder und einen allen zugleich unbekannten Hund. Ein echtes, stinkendes, aggressives Kaliber von Hund.

 

Der eine gewichtige Rolle in so machen Szenen des Thrillers einnehmen wird und nicht ohne Grund unter der Veranda haust.

 

Denn mehr und mehr stellt sich heraus, dass der inzwischen tote Sergeant einer großen, überaus gefährlichen Sache auf der Spur war. Dass es Menschen gibt, die andere geschickt zu manipulieren und zu nutzen wissen. Um ein Fanal zu setzten, vielleicht, auf jeden Fall aber, um die eigenen Taschen reichlich zu füllen.

 

Was auch Ash schon nach kurzer Zeit unmissverständlich klargemacht werden soll. Da aber haben jene Männer die Rechnung ohne die kühle Hartnäckigkeit des Ex- Marine gemacht. Da täuscht sich schon zu Beginn manch einer in der Kampfkraft, die in der ausgemergelten Gestalt steckt, die hinter der verschlissenen Kleidung zu finden sein wird.

 

Und die Kraft, einzustecken. Was vielleicht sogar den Ausschlag in all dem Geschehen geben wird. Wer am besten Einstecken, nicht, wer am besten austeilen kann wird von Bedeutung sein.

 

Ein Setting, dass sicherlich sattsam bekannt ist, Gut gegen Böse, Anflüge romantischer Gefühle und doch die Priorität auf die Pflicht setzen, der Einzelkämpfer gegen eine ganze, gefährliche Gruppe.


Was diesen Thriller dabei aus der Vielzahl ähnlich gelagerter Thriller heraushebt, ist dabei ganz klar der lakonische, klare Stil des Umgangs mit den Figuren, die allesamt gebrochene Persönlichkeiten in sich tragen. Nicht strahlende Helden auf der einen und üble Burschen auf der anderen Seite bestimmen den Ablauf der Handlung, sondern Zwischentöne, Verirrungen, Sehnsüchte bestimmen viele der Handlungen. Innere Befindlichkeiten, die in kurzen, knappen Dialogen ebenso prägnant auf den Punkt gebracht werden wie in den zwangsläufigen Handlungen, die unvermeidlich im Raum stehen. Denn jeder und jede der Beteiligten kann letztlich nicht anders handeln, als sie es tun werden.

 

 

Bis zum Finale hin ein gradliniger, spannender Thriller, der sein Thema der inneren Folgen von Krieg und Gewalt nie aus den Augen verliert.

 

M.Lehmann-Pape 2016