Berlin Verlag 2010
Berlin Verlag 2010

Nick McDonell – Ein hoher Preis

 

Entlarvung der Drahtzieher, ohne Folgen

 

Plötzlich fallen die Bomben und das kleine Dorf in Somalia ist fas völlig verwüstet. Weder von strategischer, noch von wirtschaftlicher Bedeutung war dieser unbedeutende Flecken in Afrika. Nur eines könnte hinter dem Bombardement vermutet werden, der Freiheitskämpfer Hatashil war zur Zeit des Angriffes im Dorf anwesend und das nicht zufällig. Der CIA Agent Teak war dort mit ihm verabredet, um ihm eine Sendung zu übergeben.

 

Im Nachgang des Bombardements häufen sich plötzlich die Meldungen, Hatashil selbst hätte den Anschlag verursacht und im Rahmen dieser neuen Wendung der Ereignisse sehen sich die Protagonisten des Buches, jeder und jede an seinem und ihrem Ort, Auge in Auge mit der verborgenen und schmutzigen Art und Weise, wie diese Welt auch regiert wird. Hinter den Kulissen, von mächtigen Drahtziehern elitärer Clubs und ehemals studentischer Verbindungen.

 

Teak weiß, dass machtpolitische Manipulationen hinter den Meldungen stecken müssen. Die Professorin Susan Lowell, die gerade höchst erfolgreich ein höchst positives Buch über Hatashil publiziert hatte, gerät umgehend in die Kritik und macht sich auf den Weg, herauszufinden, was hinter den Gerüchten stecken kann. David, hochbegabter Afrikaner, Verehrer des Freiheitskämpfers Hatashil. hat die große Chance erhalten, in Harvard studieren zu können, zufälligerweise ist Susan Lowell eine seiner Professorinnen. In Harvard trifft er auf den exklusiven Club einer studentischen Verbindung und erfährt dort, dass eine verdeckte Operation gegen Hatshil von Ehemaligen der studentischen Verbindung initiiert wurde.

 

Niemand der in Harvard Beteiligten aber kommt zunächst so nahe an die Wahrheit heran wie Davids Freundin Jane, die in Afrika Teak kennenlernt, eine Affäre mit ihm beginnt und so die Wahrheit über das blinde Töten der Dorfbewohner erfährt. Doch die Jäger sind bereits auf den Spuren der Mitwisser über die Hintergründe der Tat.

 

 Bis zum Ende des Buches hin bleibt offen, ob die brisanten Informationen die Öffentlichkeit noch erreichen werden oder nicht. Nur so viel sei gesagt, David zumindest wird Mitglied des elitären Studentenclubs und schon dies weist klar darauf hin, dass die Personen in McDonells Roman inneren Entwicklungen folgen und oft nicht an dem Ort anlangen, den der Leser beim Kennenlernen der Personen zu Beginn vermuten würde.

 

Nick McDonnel beschreibt aber mehr als einen spannenden Politthriller. Er erfasst in klarer und angemessener Sprache das Lebensgefühl der vermeintlichen Elite Amerikas, die sich für die Elite der Welt hält, stellt dem die Folgen der eigenen Überheblichkeit gegenüber und lässt seine Protagonisten ebenfalls die inneren Kämpfe um Ideale, Bewunderung, drohenden Zynismus, Hybris und anderen Folgeerscheinungen eines privilegierten Lebens ausfechten mit lange Zeit ungewissem und dadurch teils durchaus überraschendem Ausgang im Buch.

 

Umso glaubwürdiger kann McDonell von diesen Welten berichten, da er Teil beider beschrieben Welten war. Sein Studium der Literatur in Harvard und seine Tätigkeit als Journalist mit dem Schwerpunkt Sudan und Irak führte ihn real in jene Landstriche und Lebenswelten, in denen er seine Figuren im Roman ansiedelt.

 

Übrigens nicht unbedingt mit empathischer Wärme. Kaum eine der Figuren ist druchgängig sympathisch konzipiert, MacDonell schreibt eher mit einer Form beschreibender Distanz, die den Leser mit hineinnimmt in die eher zynische Schlussfolgerung, die die Geschichte im Raume hinterlässt.

Dass nämlich die Elite immer wieder ungestört an ihren Orten ihrem Leben, Ränken, Machtspielen und Geschäften nachgehen wird, ohne wirklich am eigenen Leib die Folgen mancher ihrer Handlungen spüren zu müssen.

 

Nick McDonnel schreibt in kühlem Stil ein Buch über die Hintergründe weltweiter Machtentscheidungen und führt eindrucksvoll in die Innenwelt amerikanischer Eliteuniversitäten ebenso ein wie in die Verwobenheit politischer Ränkespiele zwischen vermeintlicher Unterstützung und plötzlicher Feindschaft. Hintergründige Absprachen, die meist immer die anderen den hohen Preis bezahlen lassen.

Spannend und anders in Duktus und Stil, als übliche Formen heldenhafter Agententhriller.

 

M.Lehmann-Pape 2010