Blanvalet 2013
Blanvalet 2013

Nora Roberts – Die letzte Zeugin

 

Thriller oder Liebesroman?

 

Nach spannendem Beginn im ersten Teil auf den ersten 120 Seiten, der sowohl in die Psyche der jungen Elizabeth Fitch einführt (als „perfektes Kind“ von der Mutter „durchgestylt“ und fallen gelassen, als sie eigenständige Entscheidungen trifft), als auch mitten in einen brutalen Mord an Elizabeth Freundin durch einen Zweig der Russenmafia in New York, spielt der Hauptteil des Roman dann 12 Jahre später in der Gegenwart in einem kleinen Ort in Arkansas.

 

Hier dreht sich der Inhalt des Romans (leider) völlig und leitet über zu einer eher stereotypen Liebesgeschichte zwischen dem Scherriff des Ortes und Elizabeth, die nun unter anderem Namen Zuflucht vor der unerbittlichen Nachstellung der russischen Kriminellen sucht. Getragen nun von einer Melange aus Geltungssüchtigen Provinzreichen und alt werdenden Hippies.

 

Zwar taucht auch hier die ein oder andere konfliktträchtige Auseinandersetzung auf, die sich allerdings je auf eher provinzielle, „innere“ Probleme des kleinen Ortes bezieht. Ansonsten bietet das Buch von diesem Teil an eigentlich nur noch eine sich anbahnenden und dann vollziehende Romanze zwischen einem „all american boy“ (bestens aussehend, durchtrainiert und edel von Gemüt natürlich, zudem jeder Situation gewachsen, cool bis in die perfekt liegenden Haare und natürlich von seinem Charme absolut und ohne jeden Zweifel überzeugt) und der, leider nicht sonderlich überzeugend dargestellten, kühl, planend, innerlich „beschädigt“ und eben auf der Flucht befindlichen, jungen Frau (natürlich ebenso attraktiv).

 

Die durchaus spannende Situation zu Beginn mitsamt dem Einblick in brutale und kriminelle Methoden wird im gesamten weiteren Buch nur mehr indirekt aufgenommen und bietet so keinerlei Spannung mehr.

 

Auch wenn Nora Roberts ihre Figuren durchaus mit Charme, Ironie und „Mutterwitz“ ausstattet und zudem durchaus flüssig und unterhaltsam ihre Geschichte voran laufen lässt, mehr als eine ganz nette Unterhaltung am Rande bietet dieser Roman nicht. Dazu ist die Spannungskurve vom Beginn zu wenig durchgehalten und der Versuch, sich der weiblichen Hauptfigur innerlich psychologisch zu nähern viel zu oberflächlich gehalten.

 

Wer einen „typischen“ Liebesroman zu schätzen weiß, der in dieser Form auch des Öfteren als leichte Komödie aus den Filmstudios Hollywoods hervorkommt, der wird sicherlich in Teilen bei diesem Roman auf seine Kosten kommen, wer mehr an Spannung und / oder psychologischem Tiefgang erwartet, wird von diesem neuen Roman Nora Roberts eher enttäuscht sein.

 

M.Lehmann-Pape 2013