Blessing 2014
Blessing 2014

Oliver Harris – London Underground

 

Jäger und Gejagter

 

Es sind weniger die Ermittlungsmethoden des Nick Belsey, die ihn immer wieder in leichte bis massive Konflikte mit seinem Dienst als Polizist bringen, viel eher ist es seine moralische Haltung.

 

Eine Stunde vor Feierabend erst mal eine ruhige Stelle mit dem Wagen suchen und den ersten Drink des Tages langsam genießen. Das ein oder andere „Fundstück“ an Alkohol oder Medikamenten lieber mal den halbseidenen Kontakten anbieten, als bei den Vorgesetzten die Pferde scheu machen. So geht Nick auf die Welt und seinen Dienst zu.

 

Kein Wunder, dass Nick gerade aktuell nur am Rande im Dienst mitgeführt wird. Einige Ereignisse der Vergangenheit haben für seine Teil-Suspendierung gesorgt.

 

Ziemlich gut trifft es sich da, dass seine neue Chefin eine alte (Bett-) Bekannte ist und zumindest Reste der alten Verbundenheit ihm ein wenig den Rücken frei machen.


Was er gut gebrauchen kann, denn statt eines reizvollen Date im „Untergrund“ eines alten Bunkers in London gerät Nick in rasantem Tempo mitten hinein in ein Spinnennetz von Mord und Totschlag, von verdeckten Geheimnissen aus der Zeit des kalten Krieges und einen intelligenten Entführer, der mit ihm spielt. Und er mit dieser zum anbeißen hübschen Frau, Nicks Date, ein Druckmittel in der Hand hat, dem Nick nicht widerstehen kann.

 

Jemma, die angedachte neue Gespielin, wird im Bunker entführt und ein Katz und Maus Spiel der intensiven, temporeichen, spannenden Art beginnt, dass sowohl Nick Belsey als auch den Leser bis zum Ende hin in Atem halten wird.

 

Denn lange Zeit bringt Nick das „P.U.Z.Z.L.E.“ einfach nicht zusammen. Was hat es auf sich mit diesem riesigen Netz unterirdischer Tunnel in London? Was mit dem Baustil des „Brachialismus“ und seinem Architekten? Wieso mischt die Geheimpolizei mit und unterscheidet nicht zwischen Freund und Feind?

 

Und was hat das alles mit „Ferryman“ zu tun. Dem „Fährmann“, dem Synonym für einen russischen Spions in den Geheimdienstzirkeln Englands zu den Hoch-Zeiten des kalten Krieges?

 

Nicht wenige Mal ist Nick der Verzweiflung nahe, nur aufrecht gehalten durch die klug gesetzten Nachrichten des Entführers. Und so langsam kommt er Schritt für Schritt einem alten, unglaublichen und sehr, sehr gefährlichem Geheimnis auf die Spur. Ein Geheimnis, das so manch anderen bereits das Leben gekostet hat oder in naher Zukunft kosten wird. Wie sich auch um Nick und seine wenigen noch zu ihm haltenden Kontakte die Gefahr immer weiter zuspitzen wird.

 

Und das alles zusätzlich verschärft durch die laufenden Ermittlungen im Fall der verschwundenen Jemma, denn Nick muss ebenso dafür sorgen, dass seine Kollegen nicht allzu schnell jenes Material zu sehen und jene Zeugenaussagen zu hören bekommen, die ihn umgehend mit der Frau in Verbindung bringen würden.

 

Klug spinnt Harris die Fäden seines Thrillers und führt den Leser auf den Seiten des Buches lange Zeit ebenso in die Verwirrung, wie seinen Protagonisten in den verzweigten Verbindungen des Londoner Untergrunds.

 

Schritt für Schritt erst fallen am Ende all die Ereignisse zusammen und ergeben ein Gesamtbild, wie Belsey ebenso erst zum Ende hin ergründen wird, was P.u.z.z.l.e. eigentlich ist.

 

 

Mit gut gesetzter Action, sich steigernder Spannung und überzeugendem Hintergrund des Falles versehen bietet „London Underground“ eine ganz hervorragende Unterhaltung mit einer ganz eigenen Hauptfigur. Nicht unbedingt neu in den einzelnen Motiven, aber fundiert und atmosphärisch dicht neu zusammengesetzt.

 

M.Lehmann-Pape 2014