Manhattan 2014
Manhattan 2014

Paula Daly – Die Schuld einer Mutter

 

Überzeugende psychologische Spannung

 

Lisa arbeitet im Tierheim, ihr Mann Joe ist Taxifahrer, beide stammen aus eher armen Verhältnissen (und beide wissen das, wobei Lisa sich deutlich mehr Gedanken darüber macht und wie sie wirkt, als Joe).

 

Da passen die beiden eigentlich nicht unbedingt in diese doch gut situierte Nachbarschaft in der überschaubaren Ortschaft Englands. Vor allem Kate und Alexa, Schwestern, die mit ihren beiden Männern Lisa und Joe einladen, sich näher bekannt machen, sind innerlich Welten entfernt von Lisa und Joe. Ein ums andere Mal tappt Lisa da in die vielfältigen Fettnäpfchen.

 

Wobei Kates Tochter Lucinda und Lisas Tochter Sally beste Freundinnen sind. Und Lisa ihren Kindern alles andere bieten möchte und bereit ist, dafür auch weite Wege zu gehen, als sie selber in ihrer Kindheit als „Bastard“ erleben musste.

 

So verwundert es nicht, dass Lucinda auch mal bei Sally übernachten möchte. Und ihre Mutter Kate davon ausgeht, dass dies auch so geschieht. Während Lisa im Stress des Alltages einfach manchmal Dinge übersieht.

Was sich nun rächt. Denn sie hat Kate nicht Bescheid gegeben, dass Lucinda eben nicht bei ihr war. Und nun ist Lucinda verschwunden und Lisa weiß, dass sie die Schuld trägt. Das alles danebengeht. Dass sie den Hass der Leute auf sich zieht, dass sie alles tun muss, um das Mädchen wieder zu finden.

 

Denn ein Vergewaltiger geht um im Umfeld, ein junges Mädchen wurde schon missbraucht aufgefunden und Lisa ahnt, dass auch Lucinda nicht einfach so wieder nach Hause kommen wird.

 

In eher einfacher Sprache entfaltet Paula Daly in ihrem Thriller vor allem die innere Auflösung Lisas, erzählt deren Geschichte, zeigt auf, wie die Wunden der Kindheit in der erwachsenen Frau nachwirken, wie Schuld sie zerfrisst, wie gerade sie tief leidet unter den Blicken der Nachbarn und Bewohner des Ortes, wie sie Kate kaum in die Augen zu schauen vermag und auch, was Joe betrifft, nicht rückhaltlos sich fallen lassen kann. Denn auch ihm hat sie etwas Schlimmes verschwiegen.

 

Mehr und mehr wie von Sinnen sucht Lisa und sucht, bis in ihr, ganz langsam, ein unerhörter Verdacht heranreift, der auch den Leser in dem, was an Motiv und Hintergrund für das Verschwinden des Mädchens wirklich zu finden ist, mit einem Paukenschlag am Ende des Buches überraschen wird.

 

 

Spannend, ihre „Lisa“ innerlich hell ausleuchtend und den Leser Schritt für Schritt in die Verzweiflung dieser Frau mit hineinführend legt Paula Daly trotz der ein oder anderen Länge im Buch einen fesselnden Thriller vor, der gerade in der Schilderung der Entwicklung Lisas realistisch und überzeugend gestaltet ist. Auch wenn die überraschende Lösung ein wenig weit hergeholt erscheint, ihre Wirkung setzt sie doch gut.

 

M.Lehmann-Pape 2014