S.Fischer 2011
S.Fischer 2011

Peter James – Du sollst nicht sterben

 

Schuhliebhaber

 

Eigentlich könnte das Leben von Detective Superintendent Roy Grace in Brighton an der Jahreswende mit Blick auf das neue Jahr bester Dinge sein.

 

Endlich hat er einen Strich unter das Verschwinden seiner Frau Sandy sieben Jahre zuvor gezogen. Seine neue Lebensgefährtin Cleo ist schwanger und die Hochzeit steht an. Nur noch ein paar alte, ungeklärte Fälle sollen um die Tage der Jahreswende herum aufgearbeitet und einer erneuten Überprüfung zugeführt werden. Doch da geschehen Vergewaltigungen der besonderen Art. Einer Art, die Grace umgehend an einen ungelösten Fall,  das Verschwinden eines jungen Mädchens, aus dem Jahre 1997 denken lässt. Vergewaltigungen mit Schuhen.

 

Ein Schuhliebhaber der besonderen Art überfällt Frauen, deren Gemeinsamkeit ihre Vorliebe für teure und erotische High Heels ist. Nie hinterlässt der Täter verwertbare Spuren, immer trägt er eine Maske, wenig verwertbare Aussagen sind von den betroffenen Frauen zu erhalten.

 

Umgehend befindet sich Roy Grace inmitten der Ermittlungen, entdeckt immer mehr Parallelen zu den Geschehnissen der Jahreswende 1997 / 1998 und versucht alles ins einer Macht stehende zu tun, um den Täter zu stellen. Aber ist es der gleiche Täter wie vor Jahren? Oder ein Trittbrettfahrer? Oder ein ganz anderer Mann als angenommen?

 

Geschickt bindet Peter James beide Zeitebenen zusammen, verfolgt das Leiden der damals verschwundenen jungen Frau und die Gefahr für Frauen in der Gegenwart. Ebenso geschickt setzt er fast umgehend eine weitere Perspektive in den Ablauf der Geschichte ein, durch die Augen eines Schuhfetischisten lässt James den Leser hautnah teilhaben an dieser sehr speziellen Vorliebe mancher Männer. Und als man gerade denkt, das dies nun der Täter sein müsste und sich fragt, warum James das Rätsel bereits so früh auflöst, bindet er eine weitere Perspektive eines weiteren Mannes ein, der seinen Blick nicht von schönen und hohen und teuren Schuhen an Frauenfüßen abwenden kann. Und ein dritter Mann wird ebenfalls noch hinzutreten.

 

Somit hat der Leser einerseits einen Vorsprung vor den Ermittlern, sein Täterkreis ist auf drei Personen eingegrenzt, wer aber nun genau in welcher Form hinter den Verbrechen steckt, das wird sich erst am Ende des Buches erweisen und zudem mit einer noch unverhofften Wendung zum Ende hin gewürzt werden. Gelungen ist die Spannungskurve des Buches zudem durch die Begleitung des letzten Opfers, die James intensiv zu schildern versteht.

 

Hier und da bleibt anzumerken, das eben jene Spannung nicht durchgängig im Buch erhalten bleibt. Einiges zerfasert dann doch im Lauf der Seiten, eine versuchsweise aufgebaute Gefährdung für Cleo, die neue Frau an der Seite von Roy Grace, kommt so ein wenig zu kurz, wie hier und da andere Elemente zu breit im Raume stehen.

 

Dennoch verbleibt am Ende ein spannender Fall der besonderen Art, ein Einblick in exotische Gelüste und ein durchaus in gewisser Weise offenes Ende. Das ganze souverän und mit dichter Atmosphäre erzählt, wenn auch nicht überall und an jeder Stelle der Funke hell zündet.

 

M.Lehmann-Pape 2011