S.Fischer 2012
S.Fischer 2012

Peter James – Nur Dein Leben

 

Durchwachsen

 

Einmal nicht Roy Grace steht im Mittelpunkt dieses neuen Thrillers von Peter James, sondern ein durchaus seit Jahren umstrittenes, aktuelles Thema hat er sich zum Ausgangspunkt dieser Geschichte gewählt.

Die Genforschung und Gentechnik ist es, der James hier im Sinne von „Designerkindern“ nachgeht.

 

Ein attraktiver, materiell erfolgreicher, durchaus aber auch undurchsichtiger (und im Kontakt ziemlich bedrängender) Forscher, ein Angebot der Behandlung auf einem Schiff außerhalb der 12 Meilen Zone und damit auch außerhalb von Gerichtsbarkeiten, eine Chance für verzweifelte und / oder betuchte Eltern, sich einen Kinderwunsch zu erfüllen, der über das „natürliche“ Maß hinausgeht. So, wie bei Naomi und John Klaesson, deren erstes Kind an einer seltenen genetischen Erkrankung gestorben ist. Dem will das Paar vorbeugen.

„Wir wollen nur das Schlechte entfernen“.

Mit allerdings ungeahnten und, letztlich, auch ungewollten Folgen.

 

Über diese Folgen sei aber nicht allzu viel verraten, dies würde entscheidende Momente und Inhalte des Buches vorwegnehmen. Nur soweit sei gesagt, dass das „Ergebnis“ des genetischen Eingriffes ungeahnte Folgen haben wird. Und ungewollte, wie Naomi und John im Lauf der Jahre feststellen müssen.

Hier hat das Buch im Übrigen auch seine größten Stärken. In der Darstellung der familiären Entwicklung, in der dichten Atmosphäre, die im Haushalt der Klaessons herum entsteht, in der Merkwürdigkeit des Nachwuchses. In all dem lässt James hervorragend ein Unwohlsein, eine Gefahr, eine fast Verzweiflung mitschwingen, die sich durchaus auf den Leser überträgt.

 

Die eher konstruiert wirkende Gefährdung der jungen Familie durch eine fanatische Sekte, welche weltweit Kinder verfolgt und mitsamt deren Eltern brutal tötet, die eine solche genetische Behandlung durch den „Wunderdoktor“ in Anspruch genommen haben, wirkt dagegen allerdings  eher wenig überzeugend und in den „inneren Blicken“ auf die Mitglieder der Sekte hölzern. Zudem wäre dieser Strang einer konstruierten äußeren Gefährdung auch gar nicht nötig gewesen, viel interessanter wäre ein noch intensiverer Blick auf den Hintergrund der Experimente und die Folgen im Alltag für den Leser gewesen.

 

Dass hier Potential nicht genutzt wurde, trotz der überzeugenden und flüssigen Darstellung sowie der Bildsprache, die eine teils beklemmende Atmosphäre zu schaffen versteht, zeigt auch das sehr abrupt wirkende Ende des Buches. Auch wenn die Fantasie des Lesers hier leicht Lücken zu schließen vermag, auch wenn das Buch im Abschluss keinen logischen Bruch erfährt, wäre es doch interessant gewesen, den „Fehler im System“ ausführlicher zu erläutern, zu zeigen, wie das passieren konnte und auch einen Blick noch zu eröffnen, was das eigentlich an Folgen für das (im Buch genauer erläuterte) „Experiment“ bedeutet.

 

So verbleibt ein Thriller über ein spannendes, aktuelles Thema, das Peter James im Haupterzählstrang des Buches stringent und spannend erzählt. Allerdings mit „Nebenschauplätzen“ als unnötige Längen und in Bezug auf die ein oder andere, wichtige, Entwicklung der Protagonisten und der Ereignisse mitunter zu knapp geschildert.

 

Gut zu lesen, aber mit inneren „Lücken“ einerseits und unnötigen Ausweitungen andererseits.

 

M.Lehmann-Pape 2013