Blessing 2013
Blessing 2013

Peter Mayle – Der Coup von Marseille

 

Stil, Kultur und Spannung

 

Da wundert sich Sam Levitt zunächst nicht schlecht.

Entspannt und voll erotischem Knistern genießt er die Tage mit seiner Elena („Hast Du was unter dem Kleid drunter?“ Einen Tropfen Parfüm“), da wird er um ein Gespräch gebeten.

Just von jenem Reboul, dem er doch jüngst eine Sammlung bester Weine wieder „abgenommen“ hat, die dieser sich auf nicht ganz legalem Wege einverleibt hatte.

 

Doch nachtragend scheint Reboul nicht zu sein. Im Gegenteil, mit Respekt begegnet er Levitt und sieht in diesem die beste Hilfe für eines seiner neuen Projekte. Die Erschließung von Immobilien in Marseille.

Bei denen Reboul unter seinem eigenen Namen nicht auftreten kann. Alte, persönliche Feindschaften zur oberen Verwaltung der Stadt würden sein Angebot von vorneherein aussichtslos gestalten.

 

Der elegante Unternehmer und die abenteuerlustige Elena benötigen nicht allzu lange, um Sam mit ins Boot zu holen und so macht er sich unter einer Tarngeschichte auf nach Marseille, um die Verhandlungen für Reboult zu führen.

 

Doch natürlich hat  nicht nur Reboult Interesse an der Entwicklung des neuen Wohnbereiches in der brodelnden Mittelmeermetropole. Auch zwei andere Interessengruppen sind bereit, alles für den Zuschlag ins Feld zu führen.

Und unter „alles“ sind da nicht nur höfliche und legale Mittel zu verstehen.

 

So wird Sam Levitt feststellen, dass Gefahren auf ihn zukommen, wird er für seine Elena harte Bandagen anlegen müssen und sich in einem Spiel von Intrige und Bedrohung wiederfinden, das seine ganzen Fähigkeiten benötigen wird.

 

Bis aber die Spannungskurve langsam und stetig zum Ende des Buches hin ansteigt, findet sich der Leser erst einmal in der Welt der „Schönen und Reichen“, des eleganten Lebens und der kulturellen Feinheiten wieder. Vor allem in der Hinsicht, dass Mayle bildkräftig und ausführlich von gutem Essen, eleganten Restaurants, der „Qual der Tapas -Wahl“, perfekt sitzender Kleidung, eleganter Erscheinung und jeder Menge Kultur zu erzählen weiß.

 

In schwelgerischen Bildern vermag er dabei genauso, die luxuriöse Innenausstattung eines Privatjets ebenso treffend vor die Augen des Leser zu führen, wie elegante Anzüge, perfekt sitzende Manschetten, Einstecktücher, den Geschmack erlesener Weine oder die kulturelle Geschichte von Landstrichen und Gebäuden. Und immer wieder dringt seine Lust und seine Bewunderung des französischen Lebensstils (bei denen, die sich das so wie im Buch beschrieben leisten können) stark durch.

 

„Sam, allmählich verwandelst du dich in einen Baedeker auf zwei Beinen“. Man spürt den leichten Anflug von Gereiztheit bei Elena, den der Leser in solchen Augenblicken gut verstehen kann.

 

Späterhin aber nimmt der Roman durchaus Fahrt auf, erzeugt Spannung und ein elegantes Intrigenspiel, das durchaus zu unterhalten versteht und mit mancher Gefahr verbunden sein wird. In einer traumhaften Kulisse, was Stadt, Land und Leute angeht.

 

M.Lehmann-Pape 2013