Blanvalet 2017
Blanvalet 2017

Peter Swanson – Die Gerechte

 

Psychologischer Thriller mit Spannung

 

Alkohol ist schon Ted Serversons guter Freund. Der Reiche Risiko-Kapitalgeber sitzt eines Tages an einem Flughaften und hat einiges zu verdauen. Vor allem, dass seine Frau ihn wohl nicht ganz so aus der Tiefe des Herzens liebt, wie er das angenommen hatte.

 

Sondern durchaus auch mit zumindest einem Auge sein Geld im Auge hat, ihr Wohlleben voranbringt, gerade ein sündhaft teures Ferienhaus federführend erbaut und einrichtet (natürlich mit seinem Geld) und dabei den Bauleiter doch überaus anregend zu finden schient. Was sich zumindest ergibt, als Ted die beiden heimlich beobachtet. Wobei das Verhaltens seiner Frau und ihre souverän-unschuldige Haltung ihm gegenüber ihn doch hier und da ins Wanken bringt in dem, was er doch mit eigenen Augen gesehen hat.

 

Da trifft er auf eine Unbekannte. Die ihm gefällt. Äußerlich. Kühl, klug, souverän, das wäre einen Flirt wert, wenn da nicht das Thema auf etwas ganz Anderes käme, was ihn von da an nicht mehr loslässt.

 

„Ich denke, das sollten sie tun“. Ermuntert ihn die Frau, Lily, als aus ihm herausbricht, dass er seine Frau liebend gerne umbringen würde.

 

Kühl und klar, unaufgeregt bietet sie ihm ihre Hilfe an. Wenn er will. Was er sich überlegen soll. Während der Leser Zeit erhält und in regelmäßigen Perspektivwechseln jene Lily von Jugend an näher kennenlernen wird. Um festzustellen, dass hier nicht eine eiskalte, gestörte Killerin an der Flughafenbar und dann im Flugzeug neben Ted saß, sondern durchaus jemand, der aus einer gewissen Notwehr heraus ihre Schlüsse fürs Leben gezogen hat.

 

Sei es im Blick auf ihre geliebte Katze, sei es im Abwehren des schmierigen Chet, sei es an so manch anderen Momenten im Leben. Wobei Swanson sehr geschickt, bei allem Verständnis, genau den Weg einer Serienmörderin nachvollzieht, wo es mit Gewalt gegen Tieren ja bekanntlich gerne mal beginnt.

 

„Wenn sie ihre Frau töten, tun sie nur etwas, was ihr ohnehin widerfahren wird. Und sie würden andere Menschen vor ihr retten…Sie macht die Welt schlechter. Alle Menschen sterben, aber nicht alle müssen mit ansehen, wie jemand, den sie lieben., mit einer anderen Person zusammen ist. Sie hat den ersten Stein geworfen“.

 

Wie Lily zu diesen Überzeugungen kam, wie Ted sich immer mehr hineinarbeitet von der Idee zum konkreten Plan des Mordes, wie zwischen Lily und Ted etwas Neues entsteht, der Thriller funktioniert auf all diesen ebenen hervorragend. Spannung, das Eintauchen in eine so schlüssig und klar wirkende Gedankenwelt, die doch zutiefst erschreckt, die Frage, was Teds Frau überhaupt zu ihren Handlungen getrieben hat, die zunehmende Distanz, die Swanson treffend schildert und die in Ted mehr und Mehr Platz einnimmt, der Thriller ist von der ersten bis zur letzten Seite gut zu lesen, bietet überraschende Wendungen in sehr dichter Atmosphäre und gerade die Person der Lily wird dem Leser durch Swanson überaus anregend und in der Tiefe vor Augen geführt.

 

So entsteht eine emotionale Nähe in einem hin- und hergerissen sein zwischen Verständnis und Abscheu vor der kühlen „Mörderin“.

 

Ein hervorragender Thriller.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017