Klett-Cotta 2015
Klett-Cotta 2015

Philip Kerr – Der Wintertransfer

 

Hervorragend flüssig erzählt

 

Mitten hinein in die Welt des Profifußballs, der riesigen Stadien der religiösen Fans, der Spielerdiven, der reichen Scheichs und Oligarchen, mitten hinein in die Welt der Premiere League setzt Kerr den „Spielort“ seines neuen Thrillers.

 

Und mit jeder Zeile merkt man ihm an, dass er selbst Fan ist, sich auskennt (einmal gar sitzt Kerr selbst auf der Tribüne, in bestimmter Funktion).

 

Wobei, im Kern, zwar viel von dem „drumherum“ die Rede sein wird und auch ein Todesfall (Mord? Totschlag? Unfall?) in diesem „drumherum“ angesiedelt sein wird (mit einer Auflösung, die eine Vielzahl der Spuren und der möglichen Verwicklungen der „Fußball-Hochfinanz“ ganz anders auflösen werden wird, als gedacht), aber im Kern ist es die Liebe zum Spiel, dass Urtümliche, das, was auf dem Rasen geschieht, dem Kerr eine wundervolle, umgangssprachliche, treffende und den Leser mit begeisternde Stimm verleiht.

 

Inklusive des Cheftrainers von „London City“, dem Club, den Scott Manson im Buch als Co-Trainer betreut. Den Cheftrainer, den er freundschaftlich verehrt.

 

Doch aus allen Überlegungen über Spieler, Taktik, anstehende Spiele, Tabellenplatz und das Gefühl, dringend die nötige Zeit für seine Lebensgefährtin finden zu müssen, wird Scott jäh herausgerissen, als im Stadion ein Toter gefunden wird. Und er russische Oligarch und Besitzer des Clubs Scott beauftragt, den Fall schnell und vor der Polizei zu lösen.

 

Was Scott gerne übernimmt. Nicht nur aus Job Gründen, sondern auch, weil er selbst monatelang wegen falsche Anschuldigungen im Gefängnis saß und die Polizei daran massiv mitschuldig war.

 

Doch genauso, wie sich sein Verhältnis zu einer der ermittelnden Polizistinnen verändern wird, wird sich seine Haltung dem Fall und den möglicherweise Beteiligten gegenüber verändern.

 

Und immer klarer wird, wohin Scotts Herz wirklich gehört und gehören wird. Ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten vielleicht mächtiger, vielleicht gefährlicher, vielleicht mächtiger und gefährlicher Männer.

 

„Wenn euch das jetzt wie ein Glaubensbekenntnis vorkommt, dann deshalb, weil es das ist. Fußball ist eine Religion. Ich übertreibe nicht“.

 

Und Kerrs Kunst ist es, dieses Gefühl für die Seele des Spiels zu vermitteln, das ganze Drumherum auf den Punkt zu schildern und mittels kantiger und klarer Charakteren ganz nebenbei noch einen eher klassisch konstruierten Mordfall intelligent zu setzten und überraschend am Ende einer Aufklärung zuzuführen.

 

Während der Leser den gesamten Roman über den Geruch von Rasen und einer nach altem Schweiß riechenden Spielerkabine in der Nase behält ebenso, wie den antiseptischen Blick auf überteuerter Vip-Logen, die nur der Selbstdarstellung, nicht aber dem Spiel dienen.

 

Inklusive des ein oder anderen überaus geschickt gesetzten Psychotricks, den wichtigsten Spieler der Gegenmannschaft mental schon vor dem Spiel fast aus dem Spiel zu nehmen und die Wirkung nur noch abwarten zu müssen.

 

 

Von der ersten bis zur letzten Seite flüssig, spannend und überzeugend erzählt.

 

M.Lehmann-Pape 2015