klett-Cotta 2016
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Philip Kerr – Die falsche Neun

 

Gut, aber leicht abfallend den Vorgängern gegenüber

 

Der legere, lockere, ironische Tonfall hat sich erhalten, die Lust und Liebe zum Fußball und die fundierten Kenntnisse über die „Szene“ ebenfalls.

 

Scott Manson, aktuell Trainer a.D., ist wieder in Sachen Fußball unterwegs. Konkret im Auftrag von PSG und dem FC Barcelona, denen ein Spieler „abhanden“ gekommen ist.

 

Somit liegt der Schwerpunkt des neuen Romans um Scott Manson deutlich mehr und überwiegend auf den „detektivischen“ Fähigkeiten des raubeinigen ehemaligen Fußballprofis, frisch entlassenen Trainers und Frauenverehrers. Mit ausgedehnten Ausflügen natürlich noch in die aktuelle Situation des Fußballs (zu wenig Romantik, zu wenig Liebe zum Ball, zu viel Geld im Spiel), die Betrachtung von Funktionären (negativ, und daher kommt da noch was auf Manson zu) und Frauen im Geschäft (weitaus positiver, wenn auch nicht ganz überzeugt).

 

Dass es um eine „falsche Neun“ im doppelten und dreifachen Sinne gehen wird, was es mit der aufstrebenden (und mit Geld um sich werfenden) chinesischen Fußballliga auf sich hat und wie falsch die „Neun“ Jerome Dumas von PSG ein wirklich falsches Spiel betreibt, das wird in einer überaus überraschenden Wendung zum Schluss ein echter „Knaller“ im Thriller werden.

 

Wobei, leider, dem Buch ein wenig die Farbe der Vorgänger fehlt, in denen Kerr den Leser mitten hinein genommen hat in die Kabinen, die Ansprachen, das Leben „am Rand des Feldes“. Bezüge und eine intensive Atmosphäre, die in diesem neuen Roman leider ein stückweit zu kurz kommen (auch wenn Manson als Zuschauer in Barcelona noch einmal aus dem Vollen schöpfen kann).

 

So plätschert die Handlung doch über zu weite Strecken ein stückweit vor sich hin und sucht ihren Fokus eher im „Frauenverssteher“ Manson, der in dieser Beziehung durchaus in der Lage ist, alle Fünfe (immer) gerade sein zu lassen.

 

Trotz der dann exotischen Kulisse in der Karibik, wohin es Manson verschlägt und der immer wieder aufblitzenden, punktgenauen fußballerischen Beobachtungen und „Insider“ Geschichten im Buch hat dies einfach nicht durchgehend jene Spannung und Atmosphäre, die in den beiden ersten „Fällen“ des „ermittelnden Trainers“ eine runde Mischung ergeben haben.

 

 

Dennoch ist das Buch gut und flüssig zu lesen, bietet immer wieder Anlass zu zustimmendem Nicken (für die Fußballfans unter den Lesern) und hält solide Unterhaltung in legerer Sprachform bereit (bis dahin, dass Kerr sich selbst „ins Spiel“ bringt angesichts der ein oder anderen Spielerbiographie, die im Buch erwähnt werden). So bietet der Autor zumindest eine kleine Form der „Stellenanzeige“ mit im Ablauf der Geschichte, was sich im Zusammenhang durchaus passend liest. Bei all der erkennbaren Nähe und Liebe des Autors zum Spiel.

 

M.Lehmann-Pape 2016