Croemer 2016
Croemer 2016

Pierre Martin – Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs

 

Luftig leicht und dennoch an den entsprechenden Stellen spannend

 

Die Atmosphäre der Cote d´Azur, das „leichte Leben“, der Genuss, der Wein, die Beschreibung von Landschaft und Leuten, das Sitzen im Café, in der Brasserie, all das fängt Piere Martin wiederum in diesem neuen Fall für seine Kommissarin Isabelle Bonnet wunderbar ein.

 

Fragole, der „Zufluchtsort“ der Polizistin nach traumatischen Erlebnissen im Dienst, die inzwischen gewachsene Abscheu vor Paris (lange Jahre ihre innere Heimat), setzt Martin genauso überzeugend in den Raum, wie er weitere Orte und Haltungen kongenial in die Abläufe einbaut.

 

Toulon führt Martin mit warmen Worten dabei ebenso ortskundig dem Leser vor Augen, wie das Leben der „Schönen und Reichen“.

 

Wie gut, dass Bonnet mit Sonderaufgaben betraut ist. Sich ihr, wenn sie einen Auftrag hat, keiner entgegenstellen kann, es aber auch genügend Zeit für die Muße und den Genuss gibt.

 

So kann die Kommissarin, ihr (sehr) eigenwilliger Assistent und die Landschaft samt der vielfachen Charaktere dem Leser zunächst nahe kommen, bevor Martin die Zügel anzieht und die beiden Fälle, die Bonnet gerade bearbeitet, beginnen, gefährlich zu werden.


Der Polizeichef von Toulon hat Selbstmord begangen. Aus dem 12. Stock einer (teuren) Ferienwohnung in einer Marina gesprungen, in der seine (noch viel teurere Yacht) liegen hat.

 

Ein Polizeichef verdient nicht schlecht, aber diese Lebensumstände muten schon merkwürdig an. Vor allem für Bonnet, die von ihrem Mentor den Auftrag erhalten hat, diesen Selbstmord genauer zu untersuchen.

 

Während sie zugleich ihrem Assistenten (mitunter doch sehr überzeichnet in seinen Eigenarten) beisteht, der einen sechs Jahre zurückliegenden Juwelenraub in Cannes näher in Augenschein nimmt.

 

In beiden Fällen kommt es bald zu ungeahnten Wendungen, Ungereimtheiten und langsam zieht sich die Schlinge zu. Auch um die Ermittler.

 

 

Mit leichter Hand und sehr prägnant in den bildkräftigen Beschreibungen bietet Martin wiederum gute Unterhaltung, anregende Spannung und viel Lokalkolorit, das im Gesamten den Kriminalroman zu einer empfehlenswerten Lektüre gestalten.

 

M.Lehmann-Pape 1016