Droemer 2011
Droemer 2011

Reginald Hill – Der Tod und der Dicke

 

Bester britischer Humor gepaart mit intelligenter Geschichte

 

Seit 1970 bereits arbeiten Chief Inspector Peter Pascoe und Detective Superintendent Andy Dalziel kongenial, aus der reichhaltigen Phantasie Reginald Hills entspringend, zusammen.

 

Dalziel, von einem unerschütterlichen Selbstvertrauen getragen und massiv wie ein Berg in seinem voluminösen Körper ruhend. hat inzwischen selbst unter seinen engsten Vertrauten den Status legendärer Ehrfurcht erreicht. Er ist es, der die Regeln des Lebens festlegt, nicht umgekehrt, er ist es, der allein durch seine Existenz Einfluss auf das Leben anderer nimmt.

Doch nun scheint sich Dalziel an sich selbst überhoben zu haben. Die Explosion eines Hauses lässt ihn die volle Wucht des Sprengstoffes spüren. Schwerste Verletzungen, Koma und der Kampf um das Leben stehen nun für ihn an. Bestens eingeflochten in das Buch durch Reginald Hill im Übrigen, der in nicht überbordenden und ebenso den Fluss der eigentlichen Geschichte nicht störenden, eher bereichernden, Zwischensequenzen den Leser Einblick nehmen lässt in den halluzinierenden Koma-Kampf des „Dicken“ mit Gevatter Tod, den Dalziel auf seine ganz eigene Art und Weise führt. Vom Wiener Walzer über ausufernde Blähungen hat der Tod wenig Chancen, sich des „Dicken“ zu bemächtigen.

 

Währenddessen sich Peter Pascoe, ebenfalls durch die Explosion lädiert, auf den Weg macht, die Hintergründe des Falles aufzurollen. An seiner Seite das bewährte Team, bis in die Nebenfiguren lebhaft und anregend gezeichnet (wer sich einen „Constable Hector“ einfallen lassen kann, der wird mit der Charakterisierung von Figuren auch weiterhin keine Probleme haben) und im besten, trockenen britischen Umgangston miteinander verkehrend. Bei den Ermittlungen stört eigentlich nur die auftauchende Sondereinheit CAT, angeführt von Sandy Glenister, eine Art Gegenentwurf zu Dalziel, was die Ordnung und die strukturierte Arbeitsweise angeht, aber nicht minder charismatisch und klug. CAT übernimmt den Fall, weil Verbindungen zu einem islamistischen Hintergrund vermutet werden.

Doch diese erste Spur  ist, keine Überraschung für den, der Hills Arbeitsweise kennt, höchstens ein  vordergründiger Anschein. Als dann auch noch ein neu gegründeter Templer Orden die Bühne des Thrillers betritt, ist vielfache Peter Pascoes Intuition und Verstandeskraft gefragt, um endlich im Finale des Buches so langsam offenbar werden zu lassen, wer genau und warum hinter dem Fall zu vermuten sein wird.

 

Reginald Hill gelingt es, ohne auch nur in den Verdacht zu geraten, zu persiflieren, einen ironisch überspitzen Tonfall anzuschlagen und durchzuhalten, der ihn in keiner Weise daran hindert, auch harte und massive Elemente in den Ablauf der Ermittlungen einzufügen. Eine Szene, in der eine Waffe mit Schalldämpfer und ein fabrikneues Beil eine tragende (bzw. schlagende) Rolle spielen werden, bringt exemplarisch den distinguierten, immer höflich bis frotzelnden Tonfall seiner Figuren mit brachialer Gewalt einzigartig zusammen. So baut sich eine Atmosphäre im Buch auf, die zu fesseln versteht, die Thrillerelemente mit lässigem Humor und mit kreativem Rätselraten beim Leser in bester Weise verbindet.

 

Ein souverän und flüssig geschriebenes, mit trockenem Humor gewürztes Buch, in dem Hill kreative und originäre Charaktere zu zeichnen versteht, die er mit einer intelligenten Struktur in der Geschichte zu paaren versteht. Einfach gut.

 

M.Lehmann-Pape 2011