Blanvalet 2014
Blanvalet 2014

Robert Galbraith – Der Seidenspinner

 

Intelligent konzipiert und mit hervorragend getroffener Atmosphäre

 

Schon nach wenigen Seiten dieses neuen Buches von J.K Rowling wird wieder einmal deutlich, warum die Autorin mit ihren bisherigen Büchern, auch mit dem ersten Teil ihrer neuen Kriminalreihe, einen solchen Erfolg feiern konnte.

 

Rowling ist einfach in der Lage, eine Geschichte ganz hervorragend zu erzählen.

 

Wie die Bücher um den Privatdetektiv Strike nun zeigen, auch ganz ohne Magie (außer der „Magie der Wörter“, die in diesem Roman eine ganz besondere Rollen spielen wird).

 

Atmosphärisch schwingt etwas Besonderes mit, das gar nicht so leicht konkret an den einzelnen Worten und Sätzen sich greifbar zeigt, dass aber insgesamt mit den vielen, kleinen Adjektiven und bildkräftigen (dabei aber nie aufdringlichen) Beschreibungen von Orten und Personen die Ereignisse und Situationen im Buch fast dreidimensional lebendig werden lässt.

 

Schon allein die Beschreibungen jener Schriftsteller in Aussehen und Verhalten, die gewichtige Nebenrollen im Buch einnehmen, allen voran der verschwundene Quine (der so ziemlich alle ihm persönlich bekannten und weidlich verhassten Kollegen nur oberflächlich symbolisch verdeckt in seinem neuen Roman bloßgestellt hat) mit seinem „Umhang“ treten so plastisch samt ihrer Eigenheiten und Eitelkeiten in den Raum, dass es eine wahre Freude ist, dem Verlauf der Dinge mit Spannung zu folgen.

 

„Schriftsteller sind anders. Ich habe nie einen gekannt, der irgendwas getaugt hätte und kein Spinner war“.

So sagt es im Buch eine Verlagsgröße, die am Geschehen um den verschwundenen Schriftsteller Quine eher unbeteiligt wirkt (aber Vorsicht, Rowling überrascht zum Ende hin in vielfacher Hinsicht bei der Auflösung des Falles).

 

Das Manuskript des Mannes aber ist noch da, ebenso seine Ehefrau und zudem gehört es zu den merkwürdigen Gewohnheiten des Autors, hier und da einfach so einige Zeit von der Bildfläche zu verschwinden. Nun aber liegen die Dinge ein wenig anderes, denn nicht weniger als die komplette Verlagswelt hat Quine durch sein neues Manuskript in hohem Maße gegens ich aufgebracht. In einem Maße, dass hier und da durchaus einen Mord rechtfertigen würde.

 

Denn intime Dinge hat Quine mit verwendet, welche die Betroffenen im neuen Buch erheblich bloßstellen würden. Nicht umsonst im Übrigen beginnt der Roman mit einer Beteiligung des kongenialen Detektivs Strike an einer brisanten Enthüllung über eine Steuerhinterziehung, die einen Skandal in London auf oberster politischer Ebene auslösen wird.

 

Neben diesem überzeugenden „Fall“ sind es immer wieder die kleinen Dinge, die im Buch wie Miniaturen die Lesefreude voranbringen. Der Empfang beim bekannten Verlag mit all seinem Zynismus und seinen egozentrischen Persönlichkeiten hinter den Fassaden, ist hier genauso präzise in Worten beschrieben, wie die Familienszene zum „Geburtstagsessen“ für Cormoran Strike (und zugleich ein neuer Verkuppelungsversuch durch Strike´s Schwester).

 

Wie schon in den Harry Potter Werken, ein ausgesprochenes Talent für die Darstellung  von Personen mit ihren äußeren und inneren Eigenheiten, für Stimmungen, für das Alltagsgeschehen und auch das geistig Enge besitzt Rowling, oft mit wenigen, kleinen Worten, mit kurzen, aber treffenden bildhaften Skizzierungen.

 

 

Samt der Spannung des Falles an sich bietet auch dieser neue Roman um den einbeinigen Cormoran Strike beste Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2014