btb ende des tages
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Robert Hültner – Am Ende des Tages

 

Spannend und atmosphärisch stimmig

 

Allein schon vom Ende des Buches her gesehen wird deutlich, wie stimmig und in sich geschlossen Robert Hültner die Welt der Ermittlungen Ende der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts in Worte zu fassen versteht. Ein Ende im Übrigen, welches Hültner alle Möglichkeiten offen lässt für eine Fortsetzung der Ereignisse um den (in diesem Buch aus dem Dienst bereits entlassenen) Inspektor Kajetan, oder eben auch auf eine Fortsetzung durchaus verzichten zu können.

 

Eine Atmosphäre, die sowohl das „städtische“ in München der damaligen Zeit auf den Punkt trifft, nach Ende der „Räterepublik“, angesichts der Weimarer Verhältnisse, der alten militärischen Seilschaften, der „Schutztruppen“ und des Aufkommens des Nationalsozialismus um Hitler herum, als auch die Verhältnisse im „ländlichen“ Bayerns hervorragend zu spiegeln versteht mit den Landwirten, die um das tägliche Überleben kämpfen, der Engstirnigkeit des Denkens und der rüden Methoden der aufkommenden SA gerade auf dem Land um München herum.

 

In dieser stimmig geschilderten Umwelt passt sich Hültner in Duktus und Geschwindigkeit der Sprache an, er erzählt langsam und gründlich und lässt die verschiedenen Stränge seines Romans unaufhaltsam zueinander fließen. Der Berliner Privatermittler, auf den Spuren einer verlorenen Geldschatulle im Rahmen eines Flugzeugabsturzes in den Bayerischen Alpen. Kajetan, der einem namhaften, jüdischen Anwalt als Ermittler zur Seite steht, um einen wegen Mordes verurteilten Ehemannes nach Jahren der Haft zu entlasten, denn der Anwalt (und bald auch Kajetan), glauben der offiziellen Version des Mordes an der Frau des Verurteilten nicht.

 

Eine Ermittlung, die Kajetan auf Empfehlung seines ehemaligen Vorgesetzten angeht, welcher ihm eine Wiederaufnahme in den Polizeidienst in Aussicht stellt.

 

Was sich hinter dem verschwundenen Geld, dem Mord an der Ehefrau, dem Verhältnis des verurteilten Landwirtes zu seiner damaligen Magd und den im Hintergrund operierenden ehemaligen Offizieren des ersten Weltkrieges alles verbirgt und wie das zueinander passen wird, dafür lohnt sich die Lektüre dieses Kriminalromans allemal.

 

Nicht nur wegen der in sich logischen und lange Zeit rätselhaften Geschichte hinter all den Fällen, sondern auch, weil es Hültner gelingt, jede seiner Personen, von den Hauptpersonen bis hinein in am Rande stehende Protagonisten, sehr lebendig, differenziert und in sich stimmig anzulegen. Sei es Kajetan, der nach Orientierung im Leben ringt, auch in Liebesdingen, sei es der nassforsche Berliner Ermittler Kull, der sich von nichts und niemandem einschüchtern lässt, seien es die lebensharten Landwirte in unwirtlicher Gegend.

 

Alles in allem legt Hültner, wieder einmal, einen hervorragenden Kriminalroman mit überzeugendem „Personal“ und stimmig konstruiertem Fall vor, der in besonderem Maße die fragilen Verhältnisse der zweiten Hälfte der 20er Jahre aufnimmt und die sich verlierende Balance hin zu geplanten Umstürzen bestens abbildet. Mit einer überzeugend überraschenden Auflösung, was die wahren Hintermänner der Ereignisse angeht.

 

M.Lehmann-Pape 2013