Heyne 2012
Heyne 2012

Robert Ludlum, Eric van Lustbader – Das Bourne Duell

 

Solider Thriller mit weniger werdenden Ludlum Anteilen

 

Seit Beginn der 80er Jahre bereits findet sich die Figur des Jason Bourne in einigen der vielen Romane des Autors Robert Ludlum und wurde im Lauf der Zeit auch durch Verfilmungen die zentral wahrgenommene  Figur im Schaffen des Autors. Seit Ludlums Tod vor einem Jahrzehnt erscheinen weiterhin Thriller aus dem Nachlass, die von Eric van Lustbader „aufgearbeitet“ werden, der selbst durchaus Erfolge mit seinen eigenen Thrillern generiert hat.

 

Im vorliegenden Roman wird die „alte“ Heimatorganisation Bournes, Treadstone, wieder reaktiviert. Zu einem bestimmten Zweck, der sich erst im Lauf der Geschichte deutlich herausstellen wird. Von Beginn aber ist klar, dass die Ereignisse sich auf eine Konfrontation zwischen Jason Bourne und seinem „Vorgänger“ bei Treadstone, Leonid Arkadin, zuspitzen werden. Ein eher unscheinbar wirkender Ehering mit einer unverständlichen, nicht zu entziffernden Inschrift, der sich in Bournes Besitz befindet, ist zunächst das allgemein Objekt der Begierde und Ziel von Verfolgungen, Intrigen und Konfrontationen aller Seiten, bei denen ebenfalls eine Reihe alter Bekannter mit im Spiel sein werden. Vor allem aber besteht eine persönliche Feindschaft zwischen Leonid Arkadin und Bourne, der zwei ihm nahestehende Frauen durch Morde verloren hat, bei denen Leonid Arkadin hintergründig wohl seine Finger mit ihm Spiel hatte. Oder auch nicht, das wird sich l.

 

Ein Spiel, das an verschiedenen geographischen Orten unter fast ständigen Gefahrensituationen seinen teils durchaus überraschenden Verlauf nehmen wird. Und dies alles nach einem typisch actiongeladenen „Ludlum“ Beginn, der den Leser unmittelbar in das Geschehen hineinkatapultiert.

Andererseits, auch dies muss bemerkt werden, im Verlauf nun eines Jahrzehnts kann man davon ausgehen, dass nicht mehr allzu viele breit ausgearbeitete  Romanvorlagen Robert Ludlums vorliegen, so dass der Anteil Eric van Lustbaders dementsprechend einen höheren Anteil am Gesamtroman einnimmt. Durchaus bemerkbar einnimmt. So tauchen Szenen mit leicht mythischer Eben auf (Bourne treffen wir bei seinem ersten Auftritt im Buch in Bali bei einem befreundeten Schamanen an, der bedeutungsschwanger Zukunftsaussagen von sich gibt). Eine Ebene, die in der kühl-rationalen und auf Spannung und Action ausgelegten „Ursprungswelt“ Bournes nicht von Ludlum verfolgt wurde. Wohl aber in früheren Büchern vant Lustbaders. Ebenso finden sich breiter angelegte Anteile von Rückblicken, der Protagonisten und mehrere Erzählperspektiven, die nicht ganz dem eher kontinuierlich fortschreitendem Erzählstil der ersten, durchaus innovativen Bourne Romane entspricht. Der typische Ludlum Stil, gerade völlig unverdächtig oder vertrauenswürdig erscheinende Personen im Nachgang als „Feinde“ zu outen findet sich durchaus auch im Buch in Teilen wieder, ist aber an sich für den ein stückweit ausgereizt, der mit den Thrillern Ludlums mehr oder minder vertraut ist.

 

Von diesen Stilveränderungen abgesehen bietet der Roman durchaus einen soliden und spannenden Thriller (Eric van Lustbader versteht durchaus sein Handwerk), wirft aber im Nachgang die Frage auf, ob die Geschichte und Geschichten um Jason Bourne nicht letztlich seit einiger Zeit tatsächlich zu Ende erzählt sind und mehr oder minder künstlich ob der Bekanntheit und Bedeutung der Figur „am Leben gehalten“ werden.

 

Insgesamt ein guter und solider Thriller mit mehr „Eric van Lustbader“ als „Robert Ludlum“, in den Protagonisten und vor allem den temporeichen Actionsequenzen aber durchaus  noch wieder erkennbar in Ludlums „Bourne-Welt“ angesiedelt.

 

M.Lehmann-Pape 2012