Heyne 2014
Heyne 2014

Robert Ludlum, Eric van Lustbader – Der Bourne Verrat

 

Auf ein Neues

 

Wäre der Name „Ludlum“ nicht so eng mit dessen Figur „Jason Bourne“ verbunden, so wäre es längst an der Zeit gewesen, die Reihenfolge der Autoren in der Titelgebung des Buches zumindest umzustellen. Inzwischen gibt es, zumindest gefühlt,  deutlich mehr „Jason Bourne“ Romane nach dem Tod Robert Ludlums, als er selber zu Lebzeiten geschrieben hat. Mehr als grobe Stichworte können auch im Nachlass da kaum mehr zu finden sein heutzutage.

 

So ist es treffender, nicht nur in Bezug auf diesen neuesten Bourne Roman, von einem Werk Eric van Lustbaders zu sprechen, der sich allerdings in den letzten Jahren sehr darauf eingelassen hat, in die „Bourne-Welt“ einzutauchen. In den Duktus der kurzen Sätze, der einfachen  Bildsprache und der temporeichen Abfolge, in die Szenarien der weltweiten Fluchten und Verschwörungen und das Psychogramm eines eher labilen Titelhelden, der immer noch und immer weiter als ausgebildete „Killer-Geheimdienst-Maschine“ vor allem versucht, seine Haut zu retten.

 

Dieses  Sujet von Verfolgung, Bedrohung und weltweitem Komplott (das es auch in diesem Roman nicht unter den Standard „weltgefährdenden“ sinken lässt) macht sicherlich den immer wieder kehrenden Reiz der Bourne-Romane aus, auch wenn zum wiederholten Mal letztlich das gleiche an Geschichte erzählt wird, quasi nur die „Gegner“ in anderen Kategorien und mit anderen „Instrumenten“ angesiedelt werden.

 

In diesem aktuellen Werk geht es um moderne Software, Internettechnologie mit hoch vernichtenden Möglichkeiten, Trojaner mit verheerender Wirkung und, natürlich, skrupellosen „Geschäftsleuten“, die hieraus ihren Reibach zu ziehen gedenken und sich darin von nichts und niemand stören lassen wollen. Ein überaus passendes Thema zu Zeiten der NSA Debatten und der zunehmenden Unsicherheit der Privatsphäre im Internet, dass sicherlich nicht zufällig im Mittelpunkt dieses Romans steht.

 

Eine Wiederholung im Aufbau der Geschichte, die hier und da den erfahrenen Bourne Leser dann aber auch fast wörtlich an Vorgängerromane erinnert und, anders als zu Ludlums Zeiten, auch immer weniger Wert auf einen glaubhaften Realitätswert der Hintergrundgeschichte und der beteiligten Personen legt. All dies dient letztlich als austauschbare Kulisse für die möglichst spannende und actiongeladene Darstellung von Gefahrenmomenten, Kämpfen, Kampfstrategien, Verfolgungsjagten  und ähnliches.

 

„Sie war ihm wieder auf den Fersen, nachdem er zum dreizehnten oder vierzehnten Mal geglaubt hatte, sie abgeschüttelt zu haben. Und doch war sie hier und verfolgte ihn wie ein Todesengel, unzerstörbar und unerbittlich“.

 

Eine wie bei van Lustbader so oft mythisch angehauchte Sprache, klare Bilder fast von „Zwischenwelten“, in denen dann auch in der Bildsprache gilt: „der Nebel brannte wie Feuer: ein kaltes Feuer auf der Haut, wie die Berührung ihrer Hände“.

 

Das hier noch nicht Jason Bourne in Bedrohung ist, ist für diese Bildsprache und typische Atmosphäre eher zweitrangig, denn Bourne wird umgehend in diese Verfolgungssituation involviert werden (mit überraschendem Ausgang) und sich mit einer attraktiven ehemaligen Kollegin aus Geheimdienstzeiten auf die Spuren zunächst des „verschwundenen Verfolgten“ setzen und, wieder einmal, in ein Wespennest der Gefahr stechen.

 

 

Insgesamt ein solider Thriller, der aber die „Bourne“ Reihe (wie gewohnt) nur in bekannter Weise fortsetzt, immer wieder das gleiche mit anderen „Nebenrollen“ erzählt und eine etwaige Neuerfindung des Helden oder eine stark verändernde Weiterentwicklung nicht im Sinn hat (anders als z.B. die Figur des James Bond in der Filmreihe immer wieder neu interpretiert und angesetzt wird).