Goldmann 2013
Goldmann 2013

Roger Hobbs – Ghostman

 

Solides Debüt

 

Einen „klassisch“ zu nennenden Aufbau wählt Roger Hobbs für seinen ersten Thriller.

 

Eine gefährliche Aufgabe. Hintergründige, lange dem Leser nicht klare Motive der handelnden Personen und ein, durch den Buch verlaufender, Rückblick auf ein Ereignis vor einigen Jahren, das sowohl die Beziehungen mancher Figuren im buch klärt, wie auch den nötigen Hintergrund zum Verständnis des Handelns der Hauptperson, des „Ghostman“ gibt.

 

Jack Delton ist so ein „Ghostman“. Einer, der „aufräumt“ hinter einem Deal, der die Spuren verwischt, der die Hintermänner schützt. Einer, der schwer erreichbar ist, der nur wenige Aufträge annimmt, der in der Vergangenheit einen Fehler begangen hat. Der durch diesem Fehler einem Drahtzieher etwas schuldet.

 

Schulden, die nun eingefordert werden. Delton fliegt nach Atlantic City, um einen misslungenen Coup aufzuklären. Zwei Männer überfallen einen Geldtransporter, der bis zum Rand gefüllt war. Einer der beiden wird am Tatort von einem Unbekannten erschossen, der andere schwer verletzt, kann aber mit der Beute fliehen.

 

Die Beute sichern, den Mann finden, die Spuren zerstören. Ein klarer Auftrag, aber auch nur auf den ersten Blick. Denn dass sich Delton, der Mann ohne Fingerabdrücke, dafür mit einem der führenden Drogenbosse in Atlantic City anlegen muss, dass das FBI in Person einer durchaus attraktiven Agentin ihm hautnah auf der Spur ist und dass auch sein Auftraggeber irgendwie nicht  alles an Informationen und Motiven offen gelegt hat, das alles war vorher nicht im Blick und nicht im Programm.

 

Dabei hat Delton eigentlich schon genug damit zu tun, den „dritten Mann“ in den Blick zu bekommen. Wer hat auf die beiden Räuber geschossen? Wer wusste von dem Coup? Wer will, hier eigentlich wen in einem Intrigentanz allererster Güte ausstechen?

 

Schon die Geschichte an sich bietet in der klaren und temporeichen Sprache Hobbs genügend Spannung, um die Lektüre zu genießen. Dies aber übertrifft Hobbs noch mit der Anlage seiner Hauptfigur. Einer, der aus nackter Leere im Leben, aus einem „sich spüren wollen“, die Aufträge annimmt. Einer, der ganz locker ohne weitere Gemütsbewegung russisches Roulette spielt und dabei seine Augen in jene des Gegners bohrt ohne zu Zwinkern. Und einer, bei dem man sich nie allzu sicher sein sollte, dass man seiner wirklich habhaft ist. Weil man ihn leicht unterschätzt.

 

Wie zwei abgebrühte Verbrecher merken werden, die gedanklich nur noch damit beschäftigt sind, dass Delton endlich sein eigenes Grab in der Salzmarsch endlich gräbt.

 

Man ahnt es bei der Lektüre schon nach nicht allzu langer Zeit, aber erst zum Ende hin wird sehr deutlich werden, dass Delton sein ganz eigenes Spiel spielt und seine strategischen Züge schon lange im voraus geplant hat.

 

Hier und da sind einige Längen zu überstehen, hier und da sind die „Entfesselungskünste“ Deltons und sein „von der Schippe Springen“ zu dick aufgetragen, alles in allem aber ein gut lesbarer und überzeugender Thriller.

 

M.Lehmann-Pape 2013