KLett-Cotta 2011
KLett-Cotta 2011

Roger Smith – Staubige Hölle

 

Blutiger Roadtrip durch Südafrika

 

Kurze, knapp, Sätze in kantiger Form, nicht nur der äußere Stil, in dem Roger Smith seine desillusionierenden Geschichten erzählt ist das Markenzeichen seiner Bücher, sondern diesem äußeren Stil korrespondiert ebenso seine innere Ausformung der Geschichte.

 

Da, wo Smith ein (fast) Familienidyll in einem fahrenden Auto beschreibt (nur getrübt durch das Wissen des Lesers, dass die am Steuer sitzende Ehefrau nicht nur ihrem Mann auf dem Beifahrersitz zugewendet ist im Leben, sondern quasi noch bettwarm von einem anderen Mann kommt), wo er in wenigen Zeilen die beiden Kindern auf dem Rücksitz und den Ehemann Robert Dell sympathisch zu skizzieren versteht und einige Zeilen später dieser Ehemann, durch die Windschutzscheibe des Wagens herauskatapultiert, nur mehr ohnmächtig mit ansehen kann, wie der Wagen mit seiner Familie im tiefen Abgrund zerschellt. Da wird deutlich, dass Roger Smith keine Rücksicht zu nehmen gedenkt, weder auf seine Protagonisten, noch auf seine Leser.

 

Die Ehefrau Dells hatte eine intensive Affäre mit Ben Baker, einem der reichsten Männer Südafrikas und erlebt dessen Ermordung mit. Die Täter verfolgen Rosie Dell, drängen den Wagen der Familie von der Strasse ab und werden auch weiterhin nicht locker lassen, nachdem sie erfahren haben, dass Robert Dell den Unfall überlebt habt. Nicht irgendwelche Einbrecher stecken hinter dem Mord und dem Anschlag auf die Familie, der Haupttäter besitzt einen Polizeiausweis. Ein erster Hinweis darauf, dass die Hintergründe der Tat bis in höchste Regierungsstellen reichen könnten.

 

Umgehend wird dafür gesorgt, dass Robert Dell des Mordes an seiner Familie verdächtigt wird. Er kann fliehen und macht sich auf, die Mörder seiner Frau und seiner Kinder zu stellen. Nur einer kann ihm dabei helfen. Sein Vater. Den er hasst. Der als CIA Killer und überzeugter Rassist 16 Jahre im Gefängnis zubrachte, selbst dessen Namen Robert abgelegt hat.

 

Und so wird sich das ungleiche Vater-Sohn Paar aufmachen. Durch die Realität des modernen Südafrika, durch Korruption und Skrupellosigkeit, offene Grausamkeit und Gier. Von den hektischen Strassen der Metropolen des Landes bis zu den urwüchsigen Dörfern, auf deren Marktplatz die Jungfräulichkeit junger Frauen immer noch wie zu uralten Zeiten bestätigt und geprüft wird, um diese gegen das entsprechende Geld an potentielle Ehemänner zu verkaufen.

 

Kein Blatt vor den Mund nimmt Smith, wenn er die ausufernden Zustände in Südafrika , den noch tief sitzenden Rassismus und die um sich greifende Grausamkeit der lange unterdrückten Einwohner des Landes beschreibt. Nicht nur staubig ist das Land zu weiten Teilen, sondern auch eine innere Hölle für viele, die versuchen, zurecht zu kommen, in manchen Fällen einfach nur zu überleben.

 

Recht schnell im Buch führt Smith auf die Fährte der Hintermänner, knisternde Spannung und überraschende Wendungen sind daher nicht das tragende Element des Buches, wohl aber eine spannungsreiche Schilderung der Jagd auf die Mörder und zugleich der ständig drohenden Gefährdung der Jäger. Ein Buch, dass ebenso die Realität Südafrikas ungeschminkt in den Raum zu setzen versteht.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Roger Smith

 

1960 in Johannesburg geboren, ist Drehbuchautor, Regisseur und Produzent, lebt und arbeitet in Kapstadt. Während der südafrikanischen Apartheidjahre hat er das erste hautfarbenübergreifende Filmkollektiv gegründet.

 

(Quelle: Klett-Cotta Verlag)