Piper 2015
Piper 2015

Sabine Durrant – Stilles Vermächtnis

 

Hochspannend

 

Der Leser wird nicht lange benötigen, um festzustellen, dass das Vermächtnis des, zu Anfang seit einem Jahr tödlich verunglückten , eher erfolglosen Malers Zach vieles ist, aber kaum wirklich still.

 

Ebenso, wie deutlich werden wird, dass seine Witwe Lizzie zwar tatsächlich am Boden zerstört war, als sie von seinem Tod erfuhr, im Vorfeld aber doch nicht alles auf rosa Wolken gebettet in ihrer Beziehung zu Zach war.

 

Eine eher unscheinbare Frau, die von klein auf darauf trainiert zu sein scheint, gefallen zu wollen. Auch einmal von ihrer Mutter „gesehen“, anerkannt werden zu wollen und die, als sie Zach kennenlernt, diese innere Ausrichtung umgehend auf ihn überträgt. Nicht zu seinem Leidwesen, im Übrigen.

 

Aber alles hat seine Grenzen. Vor allem als sich nun, wo Lizzie nach einem Trauerjahr beginnt, den Nachlass näher zu ordnen, herausstellt, dass Zach wohl das ein oder andere verschwiegen hat. Vielleicht sogar einer ist oder war, der seine „Leichen im Keller“ liegen hat.

 

Intensiv beginnt nun ein bedrohliches Katz- und Maus Spiel, in dem vieles anders sein wird, als der Leser zu Beginn dachte und in dem jene Lizzie deutlich über sich hinauswachsen werden muss, um all die neuen Eindrücke zu verarbeiten und dieses Gefühl, ständig beobachtet zu werden, richtig einzuordnen.

 

In der Struktur ähnelt dieser sehr spannende und sehr intensive Thriller an „Gone Girl“. Zwei Perspektiven, die aus verschiedenen Zeiten zueinander laufen, vertraut geglaubte Menschen, die doch dicke Masken trugen und eine Kulmination der Ereignisse, in der Freund und Feind nur schwer voneinander zu unterscheiden sein werden auf Dauer.

 

Dabei setzt Durrant natürlich, trotz der Ähnlichkeit in der Form, inhaltlich ganz eigene Akzente und versteht es, ihre Personen intensiv psychologisch auszuloten und dem Leser dadurch zumindest vermeintlich, einen gewissen Vorsprung vor den handelnden Protagonisten zu geben.

 

Ist es Stalking, ist des nackte Gewalt, ist es Irrsinn? Oder reine Wahnvorstellungen?

 

Man wird sehen. Und dieses Schritt für Schritt erleben und in den Sog der Geschichte hineingezogen zu werden vollzieht sich in ganz logischer Weise und hält den Leser bis zum Ende mühelos im Fluss der Lektüre.


M.Lehmann-Pape 2015