Heyne 2016
Heyne 2016

Sabine Thiesler – Und draußen stirbt ein Vogel

 

Routinierter Thriller mit bekannten Motiven

 

Ein einsames Haus in der Toskana.

Eine Bestsellerautorin mit erkalteter Ehe, geliebtem Sohn (der bereits einmal nah am Tod war) und ein Mann, der der festen Überzeugung ist, dass ihm jene Rina Kramer sein Lebenswerk gestohlen hat.

 

Zufällig, vor Jahren, zur gleichen Zeit, reichte der Mann ein Manuskript ein, das abgelehnt wurde, während Kramer mit ähnlichem Sujet ihre erfolgreiche Karriere fortsetzte.

 

Und nun ist dieser Mann Bewohner der Gästevilla auf dem großen Grundstück Rinas. Wobei dieses „und nun“ schon eine Weile auf sich warten lässt. Zeit, in der Thiesler ihre Protagonisten ausführlich vorstellt. In ihrer je eigenen Dynamik.

 

In ihren Beziehungen zueinander. Vom Sohn, den der Glaube überwältigt bis zum einfachen Pater, der ein Versprechen in Italien zu erfüllen hat. Von Manuel und seiner Ratte Toni, der es dieser Autorin jetzt heimzahlen wird bis hin zu Eckardt, dem Ehemann, der als Regisseur lieber an den Sets seiner Filme sich befindet als in der Nähe von Frau und Kind.

 

Während dann, im zweiten Teil des Thrillers, alle Personen sich ihren Aufgaben stellen werden müssen. Und selbst der untreue Ehemann sich eines Besseren besinnen könnte (und sollte).

 

In sehr einfacher Sprache mit ebenso einfachen, gängigen, aber funktionierenden Bildern bringt Thiesler ihre Geschichte in gleichmäßigem, zügigen Tempo voran und erzeugt im langgestreckten Finale des Thrillers durchaus auch ein gerütteltes Maß an Spannung.

 

Das dabei die emotionalen Motive ihrer Figuren eindimensional und wenig überzeugend hier und da geraten, muss der Leer dabei aber in Kauf nehmen (da hat Rina Kramer massiv Angst vor einem Gewitter, will nicht auf der Wiese Ziel von Blitzen sein, verbietet ihrem Sohn auf jeden Fall, da hinauszugehen und einen Hauch an Zeit später laufen natürlich beide durch Donner und Blitz). Auch die Dynamik in der Ehe mit Eckardt wirkt nicht unbedingt glaubwürdig, was die Autorin da widerspruchslos mit sich machen lässt.

 

Die inneren Erklärungen jedenfalls, die Thiesler anbietet, überzeugen nicht sonderlich.

 

Wenn dann noch „Pater Pio aus Pietrelcina“ als der „berühmteste Heilige Italiens“ benannt wird (wer war Franziskus noch mal? Johannes XXIII.?), dann sind eben doch Abschnitte im Buch zu erkennen, die rein subjektiven Absichten folgen und das ein oder andere zu viel zurechtbiegen.

 

 

Dennoch, als Thriller funktioniert die Geschichte gut und bietet, wenn nicht zu vieles hinterfragt wird, anregende und am Ende spannende Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2016