Heyne 2014
Heyne 2014

Sabine Thiesler – Versunken

 

Gelungenes Gesamtbild aus vielen Einzelteilen

 

Es beginnt, als der Bootsmann Malte auf diesem riesigen Frachter kurz vor Marseille diesen dumpfen, brutalen Asiaten ersticht und aus Angst vor der Rache dessen Gang über Bord springt.

 

Eigentlich aber beginnt es viel früher, als die Eltern des kleinen Malte an der Küste von einer Freier nach Hause aufbrechen.

 

Es beginnt auch damit, dass Vivian sich auf die gemeinsamen Tage mit ihrem Mann Werner auf der Motoryacht im Mittelmeer freut, auch wenn sie zwischendurch einen Auftrag zu erledigen hat.

 

Ebenso beginnt es mit der Versetzung des familiär gebeutelten Polizisten Neri für einige Monate nach Elba, bei der er auf eine sehr attraktive Vorgesetzte trifft. Was seiner Frau Gabriella nicht entgeht. Und was durchaus Folgen haben wird.

 

Und es beginnt mit den beiden Abiturientinnen, die ein ganzes Jahr lang nach dem Abitur mit wenig Geld durch Europa reisen wollen.

 

Einander bis dato nicht bekannte Menschen, die nun aber durch einen unentrinnbaren Faden der Geschichte miteinander in Beziehung treten werden. In tödliche Beziehungen, soviel kann man sagen. Auch wenn, gerade zu Beginn der sich lostretenden Ereignisse, auch ein Hai eine gewisse blutige Rolle spielen wird (wie ebenfalls fast am Ende aller Ereignisse).

 

In klarer Sprache treibt Thiesler dabei in einer gut ausgewogenen Mischung zwischen temporeichen und bedächtigen, hier und da auch rückblickenden Teilen ihren stringenten Thriller voran. Wobei gerade bei den sich zuspitzenden Momenten ein wenig mehr an Breite und, vor allem, emotional vermittelter Spannung möglich gewesen wäre.

 

Aber auch in der vorliegenden Form bietet Thiesler eine unterhaltsame und spannende Lektüre, in welcher der Leser zu Beginn zunächst die einzelnen Personen und Handlungsfäden als unverbunden erlebt, mit fortschreitender Dauer (und mit klarer, innerer Logik) mit erlebt, wie sich die verschiedenen Personen und Personengruppen fast schicksalhaft miteinander immer enger verbinden.

 

 

Alles in allem ein spannender, mit Toten nicht geizender und in sich logisch geschlossener Thriller, den man kaum vor dem (überraschenden) Ende aus der Hand legen möchte.

 

M.Lehmann-Pape 2014