Blanvalet 2013
Blanvalet 2013

Sandra Brown – Böses Herz

 

Spannendes Ränkespiel

 

Mitten in den Vorbereitungen zu einer kleinen Geburtstagsfeier für ihren Vater befindet sich  Honor Gilette, amüsiert sich beim Backen mit ihrer vierjährigen Tochter Emily und ist ziemlich schockiert, als da plötzlich ein blutender Mann in einer Ecke ihres Gartens liegt.

Noch schockierter aber ist sie, als sie sich diesem, Hilfe anbietend, nähert und plötzlich einen Revolver in ihren Rippen verspürt.

 

Lee Coburn wird gerade von aller Welt gesucht. Am Abend vorher, so wird er beschuldigt, soll er sieben Personen, darunter auch seinen Chef, brutal erschossen haben.

 

Wer er genau ist? Keine Spur findet sich von Coburn aus der Zeit, die über das letzte Jahr hinaus zurückgeht. Was das Motiv sein könnte? Alles tappt im Dunkeln. Und nun ist dieser gesuchte Verbrecher im Haus. Mit einem sehr merkwürdigen Anliegen und einer sehr bedrohlichen Haltung.

 

Er sucht etwas, das Honors verstorbener Mann Eddie, ein ehemaliger Polizist,  besessen haben muss. Was wichtig für diesen Coburn ist, was eine Spur ergeben könnte.

 

Denn, soweit sei es verraten, Vieles ist nicht so, wie es scheint, in diesem Thriller. Das spürt der Leser schon früh, spätestens dann, als die erotische Anziehungskraft dieses Lee Coburns ihre Wirkung auf Honor nicht verfehlt. Eine erotische Spannung, die Brown im Übrigen dem Leser sehr intensiv mit genau den richtigen bildlichen Andeutungen nahebringt.

 

Auch wenn Sandra Brown grundlegend in eher einfacher Sprache erzählt und die Kunst der hintergründigen und länger vorbereiteten Überraschung von ihr wenig angewendet wird (es sind weniger „Ahnungen“, die den Leser irgendwann befallen, sondern oft umgehend klare Beschreibungen durch die Autorin), sie führt doch ausreichend Figuren in dieses Ränkespiel ein, um aus verschiedenen Perspektiven dem Leser die Sachlage immer wieder anders und neu vor Augen führen zu können und bietet ebenfalls interessante, überraschende Wendungen, die allen Figuren wieder andere Handlungsoptionen aufzwingen.

 

Wer der eigentliche „große Unbekannte“ ist, bleibt dabei lange Zeit ebenso offen (und damit spannend), wie die zunehmende Bedrohung für Honor und ihre kleine Tochter im Raum steht. Wobei Honor schon bald nicht mehr weiß, was sie von wem denken und halten soll und neben der Sorge um ihre Tochter genügend damit zu tun hat, wie ihre bis dato so geordnet erschienene Welt Stück für Stück sich als Illusion erweist.

 

 

Souverän erzählt, ein wenig zu einfach in der Sprache, durchaus abwechslungsreich und mit überraschenden Wendungen versehen, „Böses Herz“ ist eine solide und spannende Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2013