Blanvalet 2012
Blanvalet 2012

Sandra Brown – Blinder Stolz

 

Tödliches Stalking

 

Er steht auf eine bestimme Art von Frauen. Er macht sich an Kolleginnen heran. Er ist hochbegabt, einer der  besten Mitarbeiter der Werbeagentur, aber was die ein oder andere Frau angeht, da hat er sich einfach nicht im Griff. Und so wird er untragbar. Was er, selbstredend, nicht sich, sondern „der da“ anlastet.

 

„Die da“, das ist Berry King, Tochter von Caroline King, Immobilienmaklerin in einer Kleinstadt bei Houston, Texas. „Er“, ist Oren Starks, perfekt planender Stalker, der nun zur Umsetzung schreitet. Im Haus der Mutter lauert er Berry auf, schießt auf Berrys Kollegen, verfehlt Berry selbst und verlässt fluchtartig das Haus.

 

Deputy „Ski“ Nyland aber hat zunächst Zweifel an dem, was ihm da an Geschichte aufgetischt wird. Warum war der verheiratete Ben mit Berry im Haus? In Unterhose? Und sie nackt unter der Dusche? Liegen die Dinge ganz anders, als Berry sie darstellt?

 

Berry Mutter Caroline ahnt, dass sie Hilfe braucht und ruft, nach 30 Jahren, den ehemaligen Cop und nunmehrigen Privatdetektiv Dodge an. Dieser hat eigentlich gute Gründe, sich weit entfernt von Caroline zu halten, Gründe, die in einer Nebengeschichte im Buch im Rückblick auf das Jahr 1978 erzählt werden. Doch ein Grund steht im Raum, der es ihm letztlich unmöglich macht, nicht einzugreifen. Eine lange zurückliegendes, intensives Verhältnis zu Caroline, dass bis in die Gegenwart hinein seine Folgen zeitigt. Und gut so, dass der knorrige Kettenraucher und „harte Kerl“ Dodge eintrifft.

 

„In einem Punkt können sie mir absolut vertrauen: Dass ich diesen Drecksack über den Haufen schie0e, sobald er dort auftaucht“. Mit Verwaltung, Dienstweg und Regeln hat Dodge nicht viel am Hut. Mit seinem besonderen Talent, Menschen zum Reden zu bringen, wird er nicht aufhören, nachdem er in Spur gegangen ist, bis Oren das Handwerk gelegt ist. Und nötigt mit dieser Haltung nach der ein oder anderen reibungsvollen „Annäherung“ auch den anderen beteiligten durchaus Respekt ab.

 

Klar und direkt erzählt Brown ihre Geschichte. In den Abläufen und in den Personen. Spannung erhält der Thriller dadurch nicht aus unverhofften Wendungen und Überraschungen bei der Aufklärung des Falles (auch wenn zum Schluss klar wird, dass die Dinge auch ein wenig verwickelter sind, als es lange Zeit im buch schient), sondern vor allem durch die Jagd auf Oren selbst und die durchaus muntere und „knorrige“ Schilderung der Personen und ihrer Beziehungen zueinander, allen vorweg Dodge. Hier fügt sich die eingestreute „Ursprungsgeschichte“ dieser Verhältnisse aus der Vergangenheit gut in den Ablauf der Handlung ein. Da aber die Sachlage von Beginn an klar vorliegt und zudem die Protagonisten durchaus in weiten Teilen eher stereotyp gestaltet werden (Gut ist gut, böse ist böse, feige ist feige, auch in der „Unterschicht“ gibt es sensible Personen), treten hier und da einfach auch Längen im Buch auf und eine her flache Spannungskurve begleitet die Lektüre. Gut, dass die Abläufe immer wieder durch Elemente aus „Buddy-Konstellationen“ (hier Dodge und Ski) und das langsame „Auftauen“ des eher misanthropischen Dodge aufgelockert werden.

 

Souverän in Form und Stil, nachvollziehbar in den Abläufen und mit einigen gelungenen Protagonisten unterhält Brown in „blinder Stolz“ durchaus gekonnt, wenn auch zu vorhersehbar in den Abläufen.

 

M.Lehmann-Pape 2013